Ich habe keine Zeit zum Gebet...
- Hans-Jürgen Reichhardt
- 7. Juli 2025
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Juli 2025

Maria, die Königin der Liebe, am 25.9.1992 (Kirchlein von San Martino)
Vater, indem wir Dich loben und preisen, legen wir unser Gebet in Deine Hände.
Meine Kinder, mit mir ist der Vater, Der sich liebevoll um euch kümmert.
Und wenn ihr erkennt, dass ihr in allem von Ihm abhängig seid, wird euer Gebet der Prüfstein eures Glaubens und eurer Demut sein.
Liebe Kinder, ich schenke euch die Gewissheit, dass Jesus euch immer anhört und euch erhört, wenn euer Herz aufrichtig das Gute wünscht. Er segnet jedes eurer Werke,
welches ihr für das Gute tut. Auch ich segne euch.
BETRACHTUNG:
Kennst du diese Aussage: "Ich habe keine Zeit zum Gebet, weil ich so beschäftigt bin?"
Im Katechismus der katholischen Kirche steht dazu eine bemerkenswerte Aussage:
"Man betet nicht, wenn man Zeit hat, sondern man nimmt sich die Zeit, um für den Herrn da zu sein. Man tut dies mit einem festen Entschluss, ihm diese Zeit nicht wieder wegzunehmen, auch wenn die Begegnung mühevoll und trocken sein mag." (Nr. 2710)
Ist das nicht beeindruckend? Das erinnert an eine Begebenheit mit der hl. Mutter Teresa. Ordensschwestern kamen zu ihr und beschwerten sich, weil sie heute so viel arbeiten müssen. Sie würden darum bitten, deshalb den Rosenkranz ausfallen zu lassen.
Mutter Teresa antwortete: "Dann betet zwei Rosenkränze."
Ein praktisches Beispiel dazu. Stell dir vor, du machst eine Reise nach Kroatien. Du hast eine lange Reise vor dir von ca. 1000 km mit dem Pkw und weißt, dass du entsprechend viel Sprit im Tank brauchst. Aber vor der Abreise sagst du dir: "Ich habe jetzt keine Zeit zum Tanken. Ich fahre einfach los. Es wird schon alles gutgehen." Nach 100 km steht dein Pkw. Dann beginnst du zu schimpfen. Du dummes Auto, wieso fährst du nicht weiter! Das Auto ist schuld! Dann beschimpfst du deinen Ehemann oder deine Ehefrau: "Warum hast du mir nicht gesagt, dass ich tanken muss...?" Und wieder ist jemand anderer Schuld, oder?
Hat Jesus nicht gesagt, dass wir uns, wenn wir einen Turm bauen wollen, zuerst hinsetzen müssen, um zu prüfen, ob die Mittel ausreichen, die uns zur Verfügung stehen (vgl. Lk 14,25ff). Im weltlichen Bereich müssen wir also genau planen, ob die materiellen Mittel, die Finanzen und Ressourcen ausreichen. Hier sind wir oft sehr genau bis ins Detail, damit ja alles rund läuft. Das ist der Bereich der materiellen Ordnung.
Aber wie sieht es mit der geistigen Ordnung aus? Plane ich das auch in meinem Leben?
Hat nicht Jesus auch hier gesagt, dass das eine Heer, das mit 10.000 Mann anrückt und dem entgegentreten soll, das mit 20.000 Mann anrückt, vorbereitet sein muss? (vgl. Lk 14,31)
Bin ich dann wirklich vorbereitet, wenn der innere geistliche Kampf beginnt, wenn mich Satan mit seinen Helfershelfern angreift? Und wie soll ich mich überhaupt vorbereiten?
Es ist das Gebet. Vielen ist wohl die Wichtigkeit des täglichen Gebetes nicht bewusst. Aber um was geht es dabei? Viele Gebetszettel abzulesen, möglichst viele Rosenkränze zu beten, oder was jetzt?
Der 1. Schritt ist "die Wahl der Zeit und die Dauer...", die auf einem "entschlossenen Wollen" beruht, in dem "sich das Verborgene des Herzens offenbart" (KKK, Nr. 2710).
Es geht um einen ENTSCHLUSS.
Ich will beten
Ich wähle jetzt die Zeit
Ich entscheide mich zu beten
Ich öffne das Verborgene meines Herzens
Hier sprechen wir vor allem vom "inneren Gebet", als ein Zur-Ruhe-Kommen bei Jesus. Das Gebet beginnt zuerst einfach mit der STILLE und dem HÖREN. Wenn unser Herz nicht ruhig und still wird, dann können wir weder klar sehen noch hören, noch richtig wählen und entscheiden.
Als Erstes darf sich mein Herz öffnen für diesen Gott, der die Liebe in Person ist und der konkret Mensch geworden ist in Jesus Christus. Dieser Gott ist immer und überall gegenwärtig und besonders im Hl. Sakrament der Eucharistie. Er ist im Alltag gegenwärtig, in meinen Problemen, aber vor allem in meinem Herzen.
Suche dir also in einem 2. Schritt einen geeigneten Raum, am Besten immer den Gleichen.
Die ersten 15 Minuten des Gebets bleibe einfach in der Stille in der Haltung des Empfangens, des Hörens, der Verfügbarkeit für diese Liebe Gottes.
Es geht um einen "freundschaftliche(n) Umgang" mit Jesus, "bei dem wir oftmals ganz allein mit dem reden, von dem wir wissen, dass er uns liebt [...] Wir suchen nach ihm, weil das Verlangen nach ihm der Beginn der Liebe zu ihm ist." (KKK, Nr. 2709)
Hast Du danach Verlangen zu beten? Hast Du Sehnsucht nach Gott? Nach seiner Liebe? Möchtest Du Dich von Ihm lieben lassen?
Ohne diese Liebe Gottes, den Hl. Geist stirbt das Herz geistig ab, wird stumpf, kalt, hart und schließlich steril. Nervosität, Anspannung, Stress, Ungeduld, Zorn bis hin zur Todsünde verwüsten unser Herz und unser Leben wird leer. Das Herz kommt immer mehr in einen Zustand des geistigen Todes.
Die nächste Auswirkung ist, dass wir die Kraft für die regelmäßige Gewissenserforschung, die Herzensreue, die Umkehr, für die regelmäßige Heilige Beichte verlieren. Das Herz gleitet in die Ablenkung, die Mittelmäßigkeit, in die Disteln und Dornen der weltlichen Sorgen ab und wird immer mehr vom Wirkungsbereich Satans eingenommen. Das Herz wird immer mehr versklavt, die Türen öffnen sich für das Böse, die Sünde, die Unversöhnlichkeit, die Spaltung der Beziehungen.
Zuerst fällt die Göttliche Ordnung, dann fällt die geistige Ordnung. Schließlich fällt die moralische Ordnung und bringt dann die materielle Ordnung in meinem Lebens- und Beziehungsbereich durcheinander.
Viele wissen wohl auch nicht, dass die Vernachlässigung des Gebetes die ERSTE URSACHE für alle anderen Probleme ist. Und nicht, weil ich etwas tue, sondern wiel ich mir zu wenig Zeit nehme still bei Jesus sein, um zu hören und zu empfangen. Das ist der erste Anruf schon im Alten Testament: "Höre Israel, Ich bin der Herr, dein Gott..."
Die große Versuchung im Gebet bersteht im "Mangel an Glauben [...] der tatsächlichen Bevorzugung anderer Dinge. Wenn wir zu beten beginnen, stellen sich tausend Arbeiten und Sorgen, die wir für dringlich halten, als wichtig dar. Dies ist der Moment, da offenbar wird, wem das Herz den Vorzug gibt." (KKK, Nr. 2732)
Die Vernachlässigung des Gebetes ist also eine Sünde gegen das 1. Gebot Gottes. Wenn wir die weltlichen Dinge vor oder sogar über Gott stellen, dann betreiben wir damit Götzendienst. Die Sünde gegen das 1. Gebot ist die schwerste Sünde und sie wird von Satan in den weltlichen Mantel der unbedingten Pflichterfüllung gekleidet. Das geschieht besonders dann, wenn wir diese Zeit dem Gebet reserviert haben. Dann ruft der Nachbar an, dann ist plötzlich dieses und jenes zu erledigen...
Was tun?
ERSTENS
Schalte den Handy ab oder nimm es am besten gar nicht mit ins Gebet. Bleib bei deinem Entschluss immer am gleichen Ort und zu einer bewusst gewählten Zeit zu beten und die Stille und das Hören zu üben.
ZWEITENS
Bringe die Sünde der Vernachlässigung des Gebetslebens in die hl. Beichte. Bereue es, kehre um und tue Buße dafür, z. B. die vernachlässigte Zeit Jesus auf eine neue Weise zu schenken.
Bringe die Sünde gegen Gott, den Glauben an Gott, das Misstrauen gegenüber seiner Hilfe, die Ablehnung seines Geliebtseins dir gegenüber in die Hl. Beichte.
Vor allem ist es wichtig den STOLZ zu beichten, dass ich glaube, dass ich durch meine Geschäftigkeit und Vieltun etwas bewirken kann, ohne dass ich bete. Das ist die Vergötzung des eigenen Ich, der eigenen Arbeit, eigener Pläne, Vorstellungen und Wünsche.
DRITTENS
Empfiehl deinen Weg durch Maria, dem Hl. Geist an und bitte Jesus um die Gnade des Gebetes. Nimm dir vor, Gott nichts mehr vorzuziehen. Er muss an der ersten Stelle in deinem Leben stehen!
VIERTENS
Wähle ein ganz kurzes einfaches Gebet mitten im Alltag, das "Stoßgebet des Herzens". Ich kann hier vor allem das Gebet des italienischen Priesters Don Dolindo empfehlen:
"Jesus, sorge Du. Ich gebe mich dir hin."
Das Gebet ist diese innige, freundschaftliche Herzens-Verbindung, das gläubige, vertrauensvolle und offenherzige Eintreten in Seine Gegenwart. ER LIEBT DICH. Und Gott ist es, der uns das Dasein aus Liebe geschenkt hat. Wir sind von Ihm in allem abhängig. Ohne Gott und daher ohne diese Verbindung mit der Quelle allen Lebens und aller Liebe können wir nichts tun! Unsere ganze Arbeit hilft uns nichts, wenn unser Herz innerlich leer ist.
Deswegen sagt Maria, die Königin der Liebe, dass das Gebet der Prüfstein unseres Glaubens und unserer Demut ist. Nur, wenn ich erkenne, dass ich in allem von Gott abhängig bin, in jedem Bereich meines Lebens, dann erkenne ich auch die dringende Notwendigkeit des Gebetes, um von IHM her alles zuerst zu empfangen, um überhaupt geben und arbeiten zu können. Die Werke werden keine guten Früchte hervorbringen, wenn diese Grundlage fehlt. Hier ist das tiefste religiöse und existenzielle Fundament in Glaube, Hoffnung und Liebe, weil die geistige, moralische und materielle Ordnung aus dem GEBETSLEBEN kommt. Die GÖTTLICHE ORDNUNG ist über jeder geschöpflichen Ordnung. Fällt diese Ordnung, dann fällt jede andere Ordnung um.
Abschließend kannst Du dich fragen:
Wie sieht es bei mir aus mit der geistigen, moralischen und materiellen Ordnung?
Lebe ich wirklich aus dieser bewussten Abhängigkeit meines ganzen Seins von Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde?
Gehört die wichtigste Zeit des Tages Ihm?
Wenn nicht, was solltest du ändern?




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