Zweite Woche - Tag 22
Mutter Christi und seines mystischen Leibes

Lesung
(Joh 19,25-27)
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.
Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!
Dann sagte er zu dem Jünger:
Siehe, deine Mutter!
Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Botschaften
(San Martino, 22.4.1990)
Bitten wir gemeinsam den Vater.
Meine Kinder, ich bin bei allen, die mich suchen.
Als Mutter beschütze ich euch; ihr alle seid für mich Jesus.
Ich lehre euch Vorbild zu sein auf Grund des Willens Gottes.
Liebe Kinder, in diesen Zeiten verdunkelt ein falsches Licht
das wahre Licht.
Viele meiner Kinder verlassen mich, entfernen mich und, als Waisen irren sie auf den Wegen der Welt umher.
Sie werden auch meine Abbilder aus ihren Häusern und aus vielen Kirchen entfernen, aber ich werde in euren Herzen bleiben,
die mich lieben und die sich mir geweiht haben.
Wie ich viele Kinder zum Vater begleitet habe, so werde ich auch euch begleiten, da ihr mich nicht verlassen habt.
Mut, meine Kinder.
Ich nehme eure Bitten um Hilfe an. Ich segne euch.
(San Martino, 24.7.1991)
Lobpreisen und verherrlichen wir den Vater.
Meine Kinder, jedes liebevolle Eingreifen von mir in der Welt
entspricht dem Willen Gottes.
Im Herzen aller, die mich aufnehmen,
kann ich einen lebendigen, intimen Tabernakel vorbereiten,
wo mein Jesus wohnen und geliebt sein kann.
Viele haben mein Wort aufgenommen
und werden sich der Früchte der Gnade erfreuen;
viele meiner Aufrufe sind hingegen in die Dürre anderer Herzen gefallen, sodass sie keine Frucht ansetzen und bringen können.
Arbeitet mit mir, ihr, die ihr auf mich hört,
und wir werden die von einem Sturzbad des Verderbens
heimgesuchten Menschheit retten, wir werden die Welt
in einen Sturzbad der Gnade eintauchen.
Seid ihr Herzen guten Willens.
Ich segne euch alle, ich segne eure Lieben.
Betrachtung
(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Das Geheimnis Mariens)
(Art. 14)
Gott hat Maria eine besondere Macht über die Seelen übertragen, dass sie diese ernähre und wachsen lasse.
Der heilige Augustinus sagt sogar, dass die Auserwählten auf dieser Erde alle wie in den Schoß Mariens eingeschlossen seien und erst dann ans Licht kämen, wenn diese gute Mutter sie zum ewigen Leben gebiert. Wie das Kind seiner Schwäche gemäß alle Nahrung von der Mutter erhält, so empfangen die Auserwählten von Maria alle geistige Nahrung und alle Kraft.
(Art. 16)
Der heilige Augustinus nennt Maria forma Dei, die lebendige Gussform Gottes, und sie ist es in der Tat.
Allein in ihr formte sich der Gott-Mensch, der Natur nach, ohne dass
auch nur einer seiner göttlichen Wesenszüge fehlte;
und ebenso kann sich auch nur in ihr der Mensch zu einem Abbild Gottes verwandeln, soweit die menschliche Natur durch die Gnade Jesu Christi dazu fähig ist.
Auf zwei Arten kann ein Künstler eine naturgetreue Statue oder Büste herstellen: Entweder kann er hartes und unförmiges Material mit Meißelschlägen oder mit anderen geeigneten Instrumenten behauen, oder sie aber durch eine Gussform erzeugen.
Das eine dauert lange, ist sehr schwierig und vielen Fehlern ausgesetzt, denn es genügt ein ungeschickter Schlag mit Meißel oder Hammer, um es zu verderben, das andere Verfahren hingegen ist rasch, einfach und angenehm, beinahe ohne Mühe und Kosten, wenn nur die Gussform vollkommen und naturgetreu, und der verwendete Stoff geschmeidig ist, und der Hand keinen Widerstand entgegensetzt.
(Art. 17)
Gottes große Gussform, vom Heiligen Geist bereitet, um den menschgewordenen Gott durch die hypostatische Vereinigung hervorzubringen und den vergöttlichten Menschen durch die Gnade zu formen, ist die Heiligste Jungfrau Maria.
Nicht ein göttlicher Zug fehlt dieser Form. Jeder, der sich ihr überlässt und sich formen lässt, empfängt sogleich die Züge Jesu Christi, des wahren Gottes.
Und dies vollzieht sich auf sanfte und der menschlichen Schwäche angepasste Weise, ohne große Schmerzen und Mühen; auf sichere Art, ohne Angst vor Illusionen, denn der Dämon kann nicht daran teilnehmen und wird niemals dort sein können, wo Maria ist; auf heilige und unbefleckte Weise, ohne den mindesten Makel von Schuld.
(Art. 18)
Welcher Unterschied besteht doch zwischen einer Seele, die in Jesus Christus geformt ist auf die gewöhnliche Art des Bildhauers, der sich auf die eigene Geschicklichkeit verlässt, und jener anderen gefügigen, schlichten, gut gestalteten Seele, die, weit entfernt davon, auf sich selbst zu vertrauen, sich Maria überlässt und sich in Maria vom Wirken des Heiligen Geistes formen lässt!
Wie viele Flecken, wie viele Fehler, wie viele Dunkelheiten, wie vie-
le Illusionen, und wie viel Natürliches und Menschliches ist in der ersten! Wie rein hingegen, wie göttlich und Jesus Christus ähnlich ist die andere!
Kontemplation
AVE MARIS STELLA (aus dem 9. Jh.)
Meerstern sei gegrüßet, Gottes hohe Mutter,
allzeit reine Jungfrau, selig Tor zum Himmel!
Du nahmst an das AVE aus des Engels Munde.
Wend den Namen EVA, bring uns Gottes Frieden.
Zeige dich als Mutter, denn dich wird erhören,
der auf sich genommen, hier dein Sohn zu werden.
Jungfrau ohnegleichen, Gütige vor allen,
uns, die wir erlöst sind, mach auch rein und gütig.
Lös der Schuldner Ketten, mach die Blinden sehend,
allem Übel wehre, jeglich Gut erwirke.
Gib ein lauter Leben, sicher uns geleite,
dass wir einst in Freuden Jesus mit dir schauen.
Lob sei Gott dem Vater,
Christ, dem Höchsten, Ehre,
und dem Heilgen Geiste: dreifach eine Preisung.
Katechismus
(Art. 964)
Die Aufgabe Marias gegenüber der Kirche lässt sich von ihrer Vereinigung mit Christus nicht trennen, sondern ergibt sich direkt aus ihr. „Diese Verbindung der Mutter mit dem Sohn im Heilswerk zeigt sich vom Augenblick der jungfräulichen Empfängnis Christi bis zu seinem Tod“ (LG 57).
Sie ist
besonders offensichtlich in der Stunde seines Leidens.
Auch die selige Jungfrau ging den Pilgerweg des Glaubens.
Ihre Vereinigung mit dem Sohn hielt sie in Treue bis zum Kreuz, wo sie nicht ohne göttliche Absicht stand, heftig mit ihrem Eingeborenen litt und sich mit seinem Opfer in mütterlichem Geist verband, indem sie der Darbringung des Schlachtopfers, das sie geboren hatte, liebevoll zustimmte.
Und schließlich wurde sie von Christus selbst, als er am Kreuz starb, dem Jünger zur Mutter gegeben mit den Worten:
„Frau, siehe da dein Sohn“ (Joh 19,26-27) (LG 58).
Gebet
Altes byzantinisches Gebet
In deiner Mutterschaft
hast du die Jungfräulichkeit bewahrt,
und in deinem Hingang
hast du die Welt nicht verlassen,
o Mutter Gottes.
Du bist ins Leben hinübergegangen
als Mutter des Lebens,
und mit deiner Fürsprache
befreist du unsere Seelen aus dem Tod.
(Hl. Bernhard, In adventu Domini 2,5)
Möge es uns um deinetwillen, o Maria, gewährt sein, zu deinem Sohn zu gelangen.