Zweite Woche - Tag 20
Maria und die Hl. Dreifaltigkeit

Lesung
(Spr 8,22-35)
Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, vor seinen Werken in der Urzeit; in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde.
Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die
Quellen noch nicht gab, die wasserreichen. Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren.
Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren und alle Schollen des Festlands. Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern, als er droben die Wolken befestigte und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer, als er dem Meer seine Satzung gab und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften, als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm.
Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit.
Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.
Nun, ihr Söhne, hört auf mich! Wohl dem, der auf meine Wege achtet. Hört die Mahnung, und werdet weise, lehnt sie nicht ab! Wohl dem, der auf mich hört, der Tag für Tag an meinen Toren wacht und meine Türpfosten hütet. Wer mich findet, findet Leben und erlangt das Gefallen des Herrn.
Botschaft
(S. Martino, 5.8.1987)
Loben wir den Herrn. Meine Kinder, bevor ich kam,
haben sie schon von mir gesprochen, denn Gott ist groß!
Er hat alles festgesetzt:
Seht, die Mutter Jesu mitten unter euch,
durch seinen Willen und seine Macht.
Noch bevor ich kam, liebten mich viele so, wie ihr mich liebt.
Mich hat der Vater auserwählt,
mich mit seinem Sohn bereichert,
und ich bin noch mit Ihm unter euch,
um euch zu sagen: Hört auf Ihn!
Heute wie damals brauchen Ihn alle Menschen.
Jesus wird mit Seiner Gnade mitten unter euch kommen,
um euch zum Vater zu bringen, der euch erwartet.
Eure Liebe wachse mit euch. Ich segne euch alle.
Betrachtung
(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Traktat von der wahren Verehrung der Heiligen Jungfrau).
Gott erwählte Maria, um die Inkarnation und die Erlösung zu verwirklichen
(Art. 16)
Nur durch Maria konnte Gott Vater der Welt seinen eingeborenen Sohn schenken. Wie sehr ihn auch die Patriarchen ersehnt, wie sehr ihn auch die Propheten und Heiligen des Alten Bundes viertausend Jahre lang herabgefleht hatten, niemand als allein Maria hatte jemals vor Gott die Gnade verdient und gefunden durch die Kraft ihrer Gebete und die Erhabenheit ihrer Tugenden. Der heilige Augustinus sagt, dass die Welt unwürdig war, den Sohn Gottes direkt aus den Händen des Vaters zu empfangen, deshalb gab er ihn Maria, damit die Welt ihn durch sie empfange. Der Sohn Gottes ist um unseres Heiles willen Mensch geworden, entstanden in Maria und geboren aus Maria. Der Heilige Geist bildete Jesus Christus in Maria, nicht ehe er durch einen seiner höchsten Engel ihre Zustimmung eingeholt hatte. Gott Vater übertrug Maria seine Fruchtbarkeit, soweit ein bloßes Geschöpf sie aufnehmen konnte, um ihr die Macht zu verleihen, seinen Sohn und alle Glieder seines mystischen Leibes hervorzubringen.
(Art. 18)
Gott Sohn stieg in ihren jungfräulichen Schoß herab als der neue Adam in sein irdisches Paradies, um sein Wohlgefallen zu finden und im Verborgenen Wunder der Gnade zu wirken. Der menschgewordene Gott fand seine Freiheit darin, sich in ihrem Schoß gefangen zu sehen. Er ließ seine Macht offenbar werden, indem er sich von diesem zarten Mädchen tragen ließ.
Er sah seine Herrlichkeit und die des Vaters darin, seinen Glanz allen Kreaturen hienieden zu verbergen, um ihn allein Maria zu offenbaren. Er verlieh seiner Unabhängigkeit und Majestät alle Herrlichkeit durch seine Abhängigkeit von dieser liebenswerten Jungfrau in seiner Empfängnis, seiner Geburt, seiner Darstellung im Tempel, seinem verborgenen Leben durch dreißig Jahre, sogar bis hin zu seinem Tod, dem sie beiwohnen musste, damit er mit ihr ein gemeinsames Opfer darbrächte und mit ihrer Zustimmung dem Ewigen Vater geopfert würde, wie einst Isaak mit der Zustimmung Abrahams dem Willen Gottes geopfert worden war.
(Art. 20)
Da der Heilige Geist in Gott keine weitere göttliche Person hervorbringt, und also in Gott selbst nicht fruchtbar ist, wurde er durch Maria fruchtbar, indem er sich mit ihr vermählte. Mit ihr, in ihr und durch sie formte er sein Meisterwerk, den menschgewordenen Gott, und wird bis zum Ende der Welt die Auserwählten und die Glieder des Leibes dieses anbetungswürdigen Hauptes hervorbringen. Und dies geschieht so: je mehr er Maria, seine teure und unzertrennliche Braut, in einer Seele findet, desto stärker und mächtiger wirkt er, um Jesus Christus in dieser Seele hervorzubringen und diese Seele in Jesus Christus zu gestalten.
(Art. 21)
Damit soll nicht gesagt werden, dass die Heiligste Jungfrau dem Heiligen Geist erst Fruchtbarkeit verleihe, als besäße er sie nicht schon. Er ist Gott und besitzt darum die Fruchtbarkeit oder Fähigkeit der Zeugung wie der Vater und der Sohn, wenngleich er sie nicht durch die Hervorbringung einer anderen göttlichen Person in die Tat setzt. Vielmehr sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass der Heilige Geist durch Maria, deren er sich bedienen will, obgleich er ihrer absolut nicht bedarf, seine Fruchtbarkeit verwirklicht, indem er in ihr und durch sie Jesus Christus und dessen Glieder hervorbringt: Geheimnis der Gnade, das auch den Gelehrtesten und Erleuchteten unter den Christen unbekannt ist.
Kontemplation
(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Das Geheimnis Mariens)
(Art. 1)
Vernimm, du auserwählte Seele, ein Geheimnis, das mich der Allerhöchste gelehrt hat, und das ich weder in alten noch in neuen Büchern finden konnte. Mit der Gnade des Heiligen Geistes werde ich es dir anvertrauen, jedoch unter diesen Bedingungen:
- dass du es nur an solche Personen weitergibst, die es verdienen, weil sie den Geist des Gebetes, der Abtötung, des Almosengebens, des Leidens, der Opferbereitschaft und des Eifers für die Seelen besitzen;
- dass du es benützt, um heilig zu werden, denn der Wert dieses Geheimnisses misst sich am Gebrauch, den man davon macht. Glaube nicht, dass du mit verschränkten Armen davor stehenbleiben könntest, ohne daran zu arbeiten, denn dann würde dir mein Geheimnis zum Gift werden und zu deiner Verurteilung gereichen;
- dass du für alle Tage deines Lebens dem Herrn dankst für die Gunst, die er dir erwiesen hat, indem er dich ein Geheimnis lehrte, das du zu wissen nicht Verdienst.
Je mehr du es bei den alltäglichen Handlungen deines Lebens in die Tat umsetzt, desto klarer wirst du seine Schönheit und Wichtigkeit erkennen, wenn du es anfangs auf Grund der vielen Sünden und Fehler, die dich daran hindern, auch nur unvollkommen erfassen kannst.
(Art. 3)
Gott fordert von dir, dass deine Seele, die nach seinem Bild geschaffen und mit Christi kostbarem Blut erlöst worden ist, dahin gelange, in diesem Leben heilig wie er und im anderen selig wie er zu sein. Deine sicherste Berufung besteht in der Erwerbung der Heiligkeit, auf die alle deine Gedanken, Worte, Werke und Leiden, mit einem Wort, alle Regungen deines Lebens hinzielen müssen.
Achte daher darauf, dich nicht dem Willen Gottes entgegenzusetzen, indem du die große Aufgabe vernachlässigst, für die allein er dich geschaffen und bis zum heutigen Tag erhalten hat!
Welches Wunderwerk vollbringt er!
Den Erdenschlamm verwandelt er in Licht, die Schlacke in reines Metall, die Sünde in Heiligkeit, das Geschöpf in den Schöpfer, den
Menschen in Gott! Ein bewundernswertes Werk, jedoch ein schwieriges Werk in sich selbst und der menschlichen Natur allein nicht erreichbar. Niemand kann es zu Ende führen ohne die Gnade Gottes, ohne eine überreiche und außerordentliche Gnade.
Die Erschaffung des Universums war kein so großes Werk wie dieses.
(Art. 4)
Und du, wie willst du es in dir selbst verwirklichen?
Welche Mittel gedenkst du einzusetzen, um die Vollkommen
heit zu erreichen, zu der Gott dich berufen hat?
Wir alle kennen die Mittel der Heiligung und des Heiles:
Im Evangelium sind sie aufgezeichnet, die Lehrmeister des
geistlichen Lebens erklärten sie und die Heiligen vollbrachten
sie.
Es sind dies: die Demut des Herzens, das immerwährende
Gebet, die allseitige Abtötung, die Hingabe an die göttliche
Vorsehung und die Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes.
(Art. 11)
Wie es in der Ordnung der Natur nötig ist, dass ein Kind
einen Vater und eine Mutter hat, so ist es in der übernatürlichen Ordnung nötig, dass ein wahres Kind der Kirche Gott zum Vater und Maria zur Mutter hat. Wer sich rühmte, Gott zum Vater zu haben und nicht gleichzeitig eine wahre kindliche Zärtlichkeit für Maria hegte, wäre ein Betrüger, der den Dämon zum Vater hat.
Katechismus
(Art. 813)
„O welch geheimnisvolles Wunder! Einer ist der Vater aller Dinge, einer auch der Logos aller Dinge, und der Heilige Geist ein und derselbe überall, und es gibt auch nur eine einzige jungfräuliche Mutter; ich liebe es, sie Kirche zu nennen“ (Clemens v. Alexandrien).
(Art. 485)
Die Sendung des Heiligen Geistes ist stets mit der des Sohnes verbunden und auf sie hingeordnet (Joh 16,14-15).
Der Heilige Geist wird gesandt, um den Schoß der Jungfrau zu heiligen und göttlich zu befruchten; er, „der Herr ist und lebendig macht“, bewirkt, dass sie den ewigen Sohn des Vaters empfängt, der aus ihr die menschliche Natur annimmt.
(Art. 492)
Dass sie „vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an im Glanz einer einzigartigen Heiligkeit“ erstrahlt (LG 56), kommt ihr nur Christi wegen zu: Sie wurde im „Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes auf erhabene Weise erlöst“ (LG 53).
Mehr als jede andere erschaffene Person hat der Vater sie „mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch die Gemeinschaft mit Christus im Himmel“ (Eph 1,3). Er hat sie erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit sie in Liebe heilig und untadelig vor ihm lebe (Lk 1,28-37).
Gebet
Das Magnifikat (Lk 1,46-55)
Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.