Tag 5: REINHEIT
Die Loslösung von der Sinnlichkeit

„Indem man die Pforten der Seele, das heißt die Sinne bewacht, behütet und vermehrt man in besonderer Weise ihre Ruhe und ihre Reinheit“
(Hl. Johannes vom Kreuz).
Lesung
(Mt 5,27-30)
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.
Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.
(Mk 7,14-23)
Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage: Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.
Er verließ die Menge und ging in ein Haus. Da fragten ihn seine Jünger nach dem Sinn dieses rätselhaften Wortes. Er antwortete ihnen: Begreift auch ihr nicht? Seht ihr nicht ein, dass das, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn nicht unrein machen kann? Denn es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird wieder ausgeschieden. Damit erklärte Jesus alle Speisen für rein. Weiter sagte er:
Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Men-
schen unrein.
Botschaften
(San Martino, 30.12.1990)
Ehre sei dem Vater in Ewigkeit.
Meine Kinder, euch segnend öffne ich heute für euch die Türen meines Unbefleckten Herzens, um euch aufzunehmen und euch zu den Meinen zu machen, wie ihr es wünscht.
Übergibt euch mir mit großem Vertrauen;
ich werde euch die Reinheit des Herzens schenken, damit ihr Jesus begegnen könnt.
Ich werde euch vom Feuer der Hölle fernhalten und werde euch nie verlassen, bis ihr mit mir ins Paradies eingehen werdet.
Verbreitet meine Verheißungen unter allen Menschen:
Wer sich mir weiht, wird das Heil finden.
Ich segne euch, indem ich euch alle an mich drücke.
(San Martino, 2.2.1997)
Singen wir Ehre dem Vater.
Meine Kinder, seht hier die Quelle der Freude:
die Liebe, die Hingabe an Gott.
Lernt, die Reinheit zu lieben, die reinen Dinge, und ihr werdet die Welt besitzen und mit der Kraft, die in euch ist, werdet ihr sie bekehren.
Weiht euch meinem Unbefleckten Herzen und ihr werdet Licht sein für die Welt. Erneuert an diesem Tag eure Hingabe.
Liebe Kinder, nehmt den Plan Gottes an,
der euch eure Heiligkeit zu Seiner Ehre leben lässt.
Freut euch über dieses Heilsangebot, nehmt es an!
Ich segne euch alle und mit euch alle meine Geweihten.
Ich drücke euch alle an mich.
Betrachtung
(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Traktat von der wahren Vereh-
rung der Heiligen Jungfrau)
(Art. 87)
Unserer Gebrechlichkeit wegen ist es sehr schwer, die Gnaden und Schätze zu bewahren, die wir von Gott erhalten haben, denn diesen Reichtum, der Himmel und Erde an Wert übertrifft, „tragen wir in irdenen Gefäßen“, nämlich in unserem verweslichen Leib und in unserer schwachen und unbeständigen Seele, die sich von jeder Kleinigkeit verwirren und entmutigen lässt.
(Art. 88)
Und die Dämonen, die listigen Räuber, trachten ständig danach, uns plötzlich zu überrumpeln. Tag und Nacht lauern sie auf einen günstigen Moment, unaufhörlich umkreisen sie uns, um uns zu verschlingen und uns in einem einzigen Augenblick durch eine Sünde all das zu entreißen, was wir an Gnaden und Verdiensten in Jahren erringen konnten.
Ihre Bosheit, ihre Hinterlist, ihre Schlauheit und ihre riesige Anzahl müssen uns große Furcht vor diesem Unglück einflößen, da doch andere, die reicher an Gnaden waren als wir, überwältigt und kläglich beraubt worden sind. Oh, wie viele Zedern des Libanon und Sterne des Himmels hat man unglücklich stürzen und all ihren Glanz in kürzester Zeit verlieren sehen!
Woher kommt diese überraschende Wendung?
Nicht aus dem Mangel an Gnade, sondern aus dem Mangel an Demut. Sie hielten sich für fähig, ihre Schätze allein bewahren zu können, sie vertrauten und bauten nur auf sich selbst.
Sie hielten ihr Haus für sicher und ihre Truhen für stark genug, die wertvollen Schätze der Gnade behüten zu können. Und gerade wegen dieser verborgenen Selbstüberschätzung - denn es schien ihnen, dass sie nur unter dem Einfluss der Gnade Gottes handelten - erlaubte es der Herr in seiner Gerechtigkeit, dass sie beraubt wurden, indem er sie sich selbst überließ. Hätten sie die wunderbare Marienverehrung gekannt, die ich im Folgenden darstellen werde, sicherlich hätten sie ihren Schatz der mächtigen und getreuen Jungfrau anvertraut, und diese hätte es sich zu einer Pflicht der Gerechtigkeit gemacht, ihn wie ihren eigenen zu behüten.
(Art. 89)
Es ist eine Art von Wunder, wenn ein Mensch fest bleibt, inmitten dieses gewaltigen Stromes der Welt, ohne mitgerissen zu werden, fest bleibt, inmitten dieses stürmischen Meeres, ohne von den Wogen überflutet oder von den Piraten und Korsaren ausgeplündert zu werden, fest bleibt, inmitten dieser verseuchten Luft, ohne infiziert zu werden.
Dieses Wunder an denen zu vollbringen, die sie wahrhaft lieben, vermag nur die einzig getreue Jungfrau, über die die Schlange niemals die Oberhand gewonnen hat.
Kontemplation
(Nachfolge Christi, II/6)
Ungeordnete Neigungen
1. Der Ruhm eines guten Menschen ist das Zeugnis eines guten Gewissens. Bestrebe dich, ein gutes Gewissen zu haben, und du wirst immer freudig sein.
Ein gutes Gewissen kann sehr vieles übertragen und es genießt sogar in den Widerwärtigkeiten die größte Freude.
Ein böses Gewissen ist immer furchtsam und unruhig.
Du wirst sanft ruhen, wenn dir dein Herz nichts vorzuwerfen hat. Freue dich nur dann, wenn du Gutes getan hast. Die Bösen haben nie wahre Freude, sie verkosten auch den inneren Frieden nicht; denn die Gottlosen haben keinen Frieden, spricht der Herr.
Und wenn sie auch sagen sollten:
wir leben im Frieden, es wird nichts Übles über uns kommen, oder: wer wird sich getrauen, uns zu schaden? – so glaube ihnen nicht, denn
der Zorn Gottes wird schnell entbrennen, ihre Werke werden vernichtet und ihre Anschläge vereitelt werden.
2. Wer die wahre Liebe hat, dem fällt es nicht schwer, sich selbst seiner Trübsal zu rühmen, denn sich so rühmen heißt, sich in dem Kreuze unseres Herrn rühmen.
Der Ruhm, den die Menschen einander geben und voneinander erhalten, ist von kurzer Dauer. Den Ruhm der Welt begleitet immer Traurigkeit. Der Ruhm der Guten besteht in ihrem guten Gewissen, nicht aber im Munde der Menschen. Die Gerechten freuen sich wegen Gott und in Gott; sie freuen sich wegen der Wahrheit. Wer nach dem wahren und ewigen Ruhm Verlangen trägt, ist wegen des zeitlichen
unbekümmert, und wer nach dem zeitlichen Ruhm strebt oder ihn nicht von Herzen verachtet, der gibt dadurch deutlich zu erkennen, dass er noch wenig den himmlischen liebe.
Wer weder Lob noch Tadel der Menschen achtet, der wird sanfte
Ruhe in seinem Herzen genießen.
3. Wer ein reines Gewissen hat, wird leicht zufrieden und ruhig sein.
Du bist nicht heiliger, wenn du gelobt, noch auch schlechter, wenn du getadelt wirst. Was du bist, das bist du; du kannst auch durch Lobeserhebungen nicht größer werden, als du in den Augen Gottes bist. Wenn du auf dein Inneres Achtung gibst, so wirst du dich
nicht um das bekümmern, was die Leute von dir reden.
„Der Mensch sieht das Äußere, aber Gott schauet das Herz an.“
Der Mensch betrachtet die Handlungen anderer, Gott aber erwägt ihre Absichten. Immer Gutes tun und sich selbst gering achten, das ist ein Zeichen einer demütigen Seele. Nicht von irgendeinem Geschöpfe
getröstet sein wollen, ist das Zeichen großer Reinheit und innerer Zuversicht.
4. Wer von außen keine Empfehlung für sich sucht, der gibt zu erkennen, dass er sich gänzlich Gott überlassen habe.
Denn nach dem Ausspruche des hl. Paulus „ist nicht jener bewährt, der sich selbst lobt, sondern der, dem Gott das Lob gibt.“
Innerlich mit Gott wandeln und äußerlich von keiner Neigung eingenommen sein, das ist der Zustand eines innerlichen Menschen.
(Psalm 18,21-31)
Der Herr hat gut an mir gehandelt und mir vergolten,
weil ich gerecht bin und meine Hände rein sind.
Denn ich hielt mich an die Wege des Herrn und fiel nicht ruchlos ab von meinem Gott. Ja, ich habe alle seine Gebote vor Augen, weise seine Gesetze niemals ab.
Ich war vor ihm ohne Makel, ich nahm mich in acht vor der Sünde.
Darum hat der Herr mir vergolten, weil ich gerecht bin und meine Hände rein sind vor seinen Augen.
Gegen den Treuen zeigst du dich treu, an dem Aufrichtigen handelst du recht. Gegen den Reinen zeigst du dich rein, doch falsch gegen den Falschen.
Dem bedrückten Volk bringst du Heil, doch die Blicke der Stolzen zwingst du nieder. Du, Herr, lässt meine Leuchte erstrahlen, mein Gott macht meine Finsternis hell.
Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.
Vollkommen ist Gottes Weg, das Wort des Herrn ist im Feuer geläutert. Ein Schild ist er für alle, die sich bei ihm bergen.
Katechismus
(Art. 2532)
Zur Läuterung des Herzens und des sozialen Umfeldes braucht es Gebet, Keuschheit, Reinheit der Absicht und des Blickes.
(Art. 2518)
Die sechste Seligpreisung verkündet:
„Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen“ (Mt 5,8). Ein „reines Herz“ haben jene, die ihren Verstand und ihren
Willen mit den Forderungen der Heiligkeit Gottes in Einklang
gebracht haben, vor allem in drei Bereichen: in dem der christlichen Liebe, dem der Keuschheit oder geschlechtlichen Lauterkeit, und in dem der Wahrheitsliebe und der Rechtgläubigkeit.
Die Reinheit des Herzens, des Leibes und des Glaubens stehen miteinander in Verbindung.
(Art. 2519)
Den „Herzensreinen“ ist verheißen, dass sie Gott von Angesicht zu Angesicht schauen und ihm ähnlich sein werden. Ein reines Herz ist Voraussetzung der Gottesschau. Schon heute befähigt es uns, die Dinge im Lichte Gottes zu sehen und andere als „Nächste“ anzunehmen.
Es lässt uns den menschlichen Leib, unseren eigenen wie den des Nächsten, als Tempel des Heiligen Geistes, als Spur der göttlichen Schönheit wahrnehmen.
Gebet
(Romanos Melodos, aus dem Hymnus „An die Mönche und Asketen“, und aus einem Bußgebet)
Wir, die wir heute unsere Wohnung aus diesem Leben in das geistige Paradies übertragen haben, wir rufen in Buße zu dir:
„Rette, du einzig Erbarmungsvoller, die sich in dich geflüchtet haben.
Denn siehe, alles haben wir verlassen, in der Sehnsucht nach dir allein. Und dir singen wir: Alleluja.“
Gib mir die Gnade, dich immer zu besingen und durch ein reines Leben zu verherrlichen. Gewähre mir, o Allmächtiger, meine Werke und Worte vor dir in Harmonie zu bringen. Könnte ich doch vor dir singen und von dir erlangen, worum ich dich bitte!
Gewähre mir, Christus, du Einziger, dir ein reines Gebet darzubringen, dir, der du alle Menschen retten willst.