Dritte Woche - Tag 32
Umwandlung in Christus

Veni Sancte Spiritus (S. 249)
Lesung
(Joh 6,48; 15,4-7)
Ich bin das Brot des Lebens.
Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich
keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt:
Ihr werdet es erhalten.
(Gal 2,19-20)
Ich aber bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat.
Botschaft
(S. Martino, 3.10.1990)
Beten wir gemeinsam. Meine Kinder,
dankt der Heiligsten Dreifaltigkeit jetzt und immerdar.
Jubelt gemeinsam im Namen des Herrn für die großen Dinge,
die Er in mir auch für euch getan hat.
Nehmt mich weiterhin zum Vorbild für eine volle Umwandlung
in Jesus und der Heiligkeit entgegen.
Ich werde nicht aufhören, mein Licht
über das ganze Volk Gottes erstrahlen zu lassen
als Zeichen der Hoffnung und des Trostes
- bis der Tag des Herrn kommen wird.
Danke, liebe Kinder, weil ihr meinen Belehrungen gefolgt seid.
Tut es weiterhin.
Nehmt hier meine ständige Gegenwart wahr.
An diesem heiligen Ort werde ich jedes eurer Gebete erhören.
Verlasst diese Stätten nicht. Ich grüße und segne euch.
Ich segne alle eure Lieben.
Betrachtung
(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Traktat von der wahren Verehrung der Heiligen Jungfrau)
Umgestaltung in Maria nach dem Bild Jesu
(Art. 218)
Wenn Maria, die der Baum des Lebens ist, in unserer Seele durch unsere Treue in der Übung der Ganzhingabe gut gepflegt wird, dann wird sie zu gegebener Zeit ihre Frucht bringen: Jesus Christus.
Ich sehe so viele fromme Menschen, die Jesus Christus suchen, die einen auf diesem, die anderen auf jenem Weg, und häufig müssen sie, nachdem sie sich Tag und Nacht abgemüht haben, voller Angst eingestehen: „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.“ (Lk 5,5)
Zu diesen kann man sagen: „Ihr sät viel und erntet wenig.“ (Hag 1,6) Jesus Christus ist noch sehr schwach in euch. Dies widerfährt jedoch nicht jenen, die durch die Ganzhingabe den unbefleckten Weg Mariens betreten. In Maria gibt es keine Nacht, denn in ihr war niemals der kleinste Schatten einer Sünde. Maria ist ein heiliger Ort, ja das Heiligtum der Heiligtümer, wo die Heiligen gebildet und geformt werden.
(Art. 219)
Der heilige Augustinus nennt die Heilige Jungfrau forma Dei
- die Gussform Gottes, ein Modell, das geeignet ist, Götter zu formen
und zu modellieren: „Wenn man dich Form Gottes nennt, so geschieht dies zurecht.“
Wer in diese göttliche Gussform geworfen wird, ist bald in Jesus Christus gebildet und geformt und Jesus Christus in ihm. Mit wenig Kosten und in kurzer Zeit wird er vergöttlicht, weil er in der glei-
chen Form gegossen wird, die Jesus Christus geformt hat.
(Art. 220)
Jene aber, die sich das Geheimnis der Gnade zu eigen machen, vergleiche ich zurecht mit einem Gießer, der die schöne Form Mariens gefunden hat, in der Jesus Christus menschlich und göttlich gebildet wurde, und sich einzig auf die Güte der Gussform verlässt, sich in Maria versenkt und verliert, um ein natürliches Abbild ihres göttlichen Sohnes zu werden.
(Art. 221)
Oh, welcher Vergleich! Wer wird das verstehen?
Ich wünschte, dass du es seist, mein lieber Bruder. Aber denk daran:
Man gießt nichts in die Gussform, was nicht aufgelöst und flüssig ist, das heißt, du musst in dir den alten Adam zerstören und einschmelzen, um in Maria zum neuen Menschen geformt zu werden.
Kontemplation
(Nachfolge Christi, III/5)
Die Gottesliebe in ihrer Macht und Herrlichkeit
1. Ich preise Dich, o himmlischer Vater, Du Vater meines Herrn Jesu Christi, dass Du Dich gewürdigt hast, an mich Armen zu denken!
O Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes!
Ich sage Dir Dank, dass Du mich bisweilen mit Deinem Troste
erquickst, der ich doch allen Trostes unwürdig bin. Ich preise und verherrliche Dich ohne Aufhören mit deinem eingeborenen Sohn und mit dem Tröster, dem Heiligen Geist, in alle Ewigkeit. Ja, mein Herr und mein Gott, Du reinster Bräutigam meiner Seele!
Wenn Du in mein Herz kommst, wird mein Innerstes frohlocken. Du bist mein Ruhm und die Freude meines Herzens. Du bist meine Hoffnung und meine Zuflucht am Tage der Trübsal.
2. Aber weil ich in der Liebe noch schwach und in der Tugend noch unvollkommen bin, so habe ich Deine Stärke und Deinen Trost nötig.
Suche mich deshalb öfter heim und unterrichte mich in Deinem heiligen Gesetze. Befreie mich von meine bösen Begierden und heile mein Herz von allen unordentlichen Neigungen, damit ich, innerlich geheilt und gereinigt, fähig werde zum Lieben, stark zum Leiden, standhaft zum Ausharren.
3. Etwas Hohes ist die Liebe und wirklich ein großes Gut, da sie allein alle Beschwerden erleichtert und alles Widrige mit Gleichmut erduldet.
Denn sie trägt die Last, ohne gedrückt zu werden, und macht alle Bitterkeit süß und angenehm. Die erhabene Liebe Jesu treibt zu großen Werken an, sie erweckt im Herzen immer das Verlangen nach dem Vollkommeneren. Die Liebe will sich in die Höhe schwingen und lässt sich nie von niedrigen Dingen zurückhalten.
Die Liebe will frei und von aller weltlichen Neigung los sein, damit sie in ihrer innerlichen Beschauung nicht gehindert, nicht durch zeitliche Vorteile eingenommen werde oder wegen eines Ungemaches unterliege. Nichts ist süßer, als die Liebe, nichts stärker, nichts höher, nichts sich weiter erstreckend, nichts angenehmer, nichts vollkommener und nichts besser weder im Himmel noch auf Erden; denn die Liebe ist aus Gott geboren und kann, über alles Geschaffene sich emporschwingend, nur in Gott ruhen.
4. Der Liebende fliegt, läuft und frohlockt; er ist frei und kann nicht gehalten werden.
Er gibt alles für alles und hat alles in allem, weil er in dem einzigen höchsten Wesen, aus dem alles Gute fließt und hervorgeht, vor allem ruht. Er sieht nicht auf die Gaben, sondern wendet sich vor allen Gütern auf den Geber. Die Liebe weiß von keinem Maße, sondern wird über alles Maß entzündet.
Die Liebe empfindet die Last nicht, sie achtet auch die Bemühungen nicht, ihre Begierde erstreckt sich über ihre Kräfte, sie entschuldigt sich nicht mit Kraftlosigkeit, weil sie meint, dass sie alles könne und
dürfe. Sie ist also zu allem nützlich, sie vollendet vieles und setzt vieles ins Werk, wo einer, der die Liebe nicht hat, nachlässt und unterliegt.
5. Die Liebe ist wachsam, und selbst schlummernd schläft sie nicht.
Wenn sie schon abgemattet wird, erliegt sie der Mattigkeit doch nicht; wenn sie schon beklemmt wird, wird sie doch nicht unterdrückt; wenn sie auch erschreckt wird, wird sie doch nicht in
Verwirrung gebracht, sondern gleich einem lebendigen Feuer und einer brennenden Fackel bricht sie in die Höhe aus und dringt überall durch.
Wer von Liebe entzündet ist, der weiß, wie laut diese Stimme ruft: denn ein lauter Ruf in den Ohren Gottes ist das heiße Verlangen einer Seele, welche spricht: Mein Gott, meine Liebe! Du bist ganz
mein, und ich bin ganz Dein.
6. Vermehre in mir die Liebe, damit ich im Innersten des Herzens verkosten lerne, wie
süß es sei zu lieben, ja gleichsam in Liebe zu schwimmen und zu zerfließen.
Möchte ich von Liebe ganz eingenommen werden und mich über mich selbst in Inbrunst und Erstaunen erheben! Ich will den Gesang der Liebe singen, ich will Dir als meinem Geliebten in die Höhe folgen, meine Seele soll sich ganz in Deinem Lobe verzehren und aus Liebe frohlocken. Ich will Dich mehr lieben, als mich selbst, mich aber nur
Deinetwegen; und alle, welche Dich wahrhaft lieben, will ich in Dir lieben, wie es das Gesetz der Liebe befiehlt, welches an Dir so herrlich hervorleuchtet.
7. Die Liebe ist schnell, aufrichtig, fromm, fröhlich und angenehm; sie ist stark, geduldig, getreu, bescheiden, langmütig, männlich, und sucht nie sich selbst.
Denn sobald sich jemand selbst sucht, hat die Liebe ein Ende. Die Liebe ist behutsam, demütig und gerade; sie ist nicht weichlich, nicht leichtfertig, nicht auf Eitelkeit bedacht; sie ist mäßig, keusch, beständig, ruhig; sie bewahrt alle Sinne sorgfältig.
Die Liebe ist gegen Vorgesetzte unterwürfig und gehorsam und in ihren eigenen Augen schlecht und verächtlich, gegen Gott andächtig und dankbar; sie vertraut und hofft allzeit auf Ihn, auch zur Zeit, wo sie in Gott kein Vergnügen findet, weil niemand ohne Schmerz in der Liebe lebt.
8. Wer nicht entschlossen ist, alles zu leiden und in den Willen des Geliebten sich zu ergeben, der ist noch nicht würdig, ein Liebender genannt zu werden.
Ein wahrhaft Liebender muss wegen des Geliebten alles Harte und Bittere gern annehmen und sich wegen widriger Zufälle von ihm nicht abwenden.
HYMNUS
(Das Gebet des heiligen Polycarp, +156, Bischof von Smyrna, während seines Martyriums auf dem Scheiterhaufen)
Herr, allmächtiger Gott,
Vater Jesu Christi,
deines geliebten und gebenedeiten Sohnes,
der uns gelehrt hat, dich zu erkennen!
Gott der Engel, Gott der ganzen Schöpfung,
Gott des Geschlechtes der Heiligen,
die vor deinem Angesicht leben!
Ich preise dich, denn du hast mich für würdig erachtet,
der Zahl der Märtyrer zugezählt zu werden;
würdig, mich dem Kelch deines Christus zu nahen,
um mit Seele und Leib zum ewigen Leben aufzuerstehen,
in der Unzerstörbarkeit des Heiligen Geistes.
Könnte ich doch heute, zugleich mit den Märtyrern,
als wertvolles und willkommenes Opfer
in deine Gegenwart aufgenommen werden!
Führe zu Ende, was mir dein Wille bereitet und gezeigt hat.
Du Gott der Treue und der Wahrheit,
für diese Gnade und für alle anderen
lobe und preise und verherrliche ich dich,
durch den ewigen, himmlischen Hohepriester,
deinen geliebten Sohn Jesus Christus.
Für ihn und mit ihm und mit dem Heiligen Geist
sei dir Ehre und Herrlichkeit
jetzt und in allen künftigen Zeiten!
Katechismus
(Art. 2012)
„Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt . . . denn alle, die er im Voraus erkannt hat, hat er auch im Voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.
Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht“ (Röm 8, 28-30).
Gebet
(Romanos Melodos, aus dem Hymnus der drei Jünglinge im Feuerofen)
Oh, ihr drei Seligen, die ihr euch geweigert habt,
das Bild aus Menschenhand anzubeten,
die ihr euch mit überirdischem Wesen
bekleidet habt wie mit einem Panzer,
und die ihr in der Arena des Feuers gekrönt worden seid!
Aufrecht inmitten unwiderstehlicher Flammen
habt ihr den Beistand Gottes herabgerufen:
„Eile, o Mitleidsvoller, eile uns zu Hilfe, o Erbarmungsvoller,
denn du allein vermagst alles, was du willst!“
Die Diener ergriffen die Jünglinge auf Befehl,
banden ihnen Hände und Füße
und warfen sie in den Feuerofen.
Dieser fasste nach der dreiästigen Wurzel, aber verbrannte sie nicht,
sondern bewahrte sie unversehrt
in Ehrfurcht vor dem, er sie dort eingepflanzt hatte.
Die Flamme, durch Gottes Erlaubnis in taufischen Hauch verwandelt, erfrischte die heiligen Äste.
Seltsam war es anzusehen:
Das Feuer hatte seine eigene Natur vergessen, und wurde zum kühlen Quell, der, statt sie zu verbrennen,
die befreite, die die Flammenglut empfangen hatte;
es behütete sie wie einen Weinstock von dreifacher Ernte,
damit er Frucht bringe:
„Eile, o Mitleidsvoller, eile uns zu Hilfe, o Erbarmungsvoller,
denn du allein vermagst alles, was du willst!“