Zweite Woche TAG 6
Die Frau der Apokalypse

Lesung
Offb 12,1-18
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.
Ein anderes Zeichen erschien am Himmel:
ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern
und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.
Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.
Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.
Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen.
Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel.
Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange,
die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt;
der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.
Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen:
Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten;
denn gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder,
der sie bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagte.
Sie haben ihn besiegt durch das Blut des Lammes
und durch ihr Wort und Zeugnis;
sie hielten ihr Leben nicht fest, bis hinein in den Tod.
Darum jubelt, ihr Himmel, und alle, die darin wohnen.
Weh aber euch, Land und Meer!
Denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen;
seine Wut ist groß, weil er weiß, dass ihm nur noch eine kurze Frist bleibt.
Als der Drache erkannte, dass er auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau, die den Sohn geboren hatte.
Aber der Frau wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihren Ort fliegen konnte.
Dort ist sie vor der Schlange sicher und wird eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit lang ernährt.
Die Schlange spie einen Strom von Wasser aus ihrem Rachen hinter der Frau her, damit sie von den Fluten fortgerissen werde.
Aber die Erde kam der Frau zu Hilfe; sie öffnete sich und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen gespien hatte.
Da geriet der Drache in Zorn über die Frau, und er ging fort, um Krieg zu führen mit ihren übrigen Nachkommen, die den Geboten Gottes gehorchen und an dem Zeugnis für Jesus festhalten. Und der Drache trat an den Strand des Meeres.
Botschaft
(San Martino, 26.9.1990)
Preisen und verherrlichen wir den Vater.
Meine Kinder, sucht nicht Zeit in der Zeit.
Dies ist eure Zeit!
Bleibt in meiner Schule und belebt immer mehr meine Scharen.
Gemeinsam werden wir Gott loben.
Ein großer Teil der schönen, von Ihm geschaffenen Welt
verachtet Ihn, den Schöpfer, und rennt verzweifelt Satan entgegen.
JESUS IST DER HERR!
Er starb für die Sünden der Menschheit
und ist auferstanden für das Leben der Menschen.
Das Reich Gottes ist für euch gekommen.
Jetzt sei jedes eurer Worte von der Kraft des Heiligen Geistes beseelt.
Meine Kinder, es ist die barmherzige Anforderung
des Vaters an euch, die euch sendet, andere Menschen,
ja alle Menschen zu erreichen.
Geht mit dem gleichen Gehorsam, den Jesus geübt hat,
und jedes eurer Worte wird von der Kraft des Heiligen Geistes beseelt sein.
Es wird die göttliche Autorität sein, die in eurem Apostolat wirksam wird, und eure Worte werden die Herzen durchbohren.
Liebe Kinder, macht euch meine Belehrungen zu Eigen.
Danke für alles, was ihr tut und tun werdet.
Ich segne euch noch einmal, indem ich eure Herzenswünsche annehme.
(San Martino, 2.10.1991)
Meine Kinder, seid ihr das Heer Gottes.
Die Stunde der Finsternis sinkt auf die Menschheit herab,
aber der Teufel fürchtet den Gruß des Engels,
den ihr wiederholt mit dem „Ave Maria“ aussprecht;
so fürchtet er meine Gegenwart.
Deshalb bitte ich euch, mit mir zu sein.
Liebe Kinder, das Unglück wäre schon hereingebrochen,
hätten nicht viele gutgesinnte Seelen das Gebet gepflegt.
Betet also, und ich werde bei euch sein.
Ich segne euch alle.
Betrachtung
(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Traktat von der wahren Vereh-
rung der Heiligen Jungfrau)
Marias Kampf gegen Satan
(Art. 51)
Gerade auf diese letzten und grausamen Verfolgungen des Teufels, die Tag für Tag zunehmen werden bis zum Reich des Antichristen, muss man jene erste und berühmte Weissagung Gottes und seinen Fluch beziehen, den er im irdischen Paradies gegen die Schlage geschleudert hat.
Es scheint mir an dieser Stelle angebracht, ihn zur Ehre der Heiligsten Jungfrau, zum Heil ihrer Kinder und zur Beschämung des Teufels näher zu erklären. „Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse“ (Gen 3,15).
(Art. 53)
Was Luzifer durch seinen Stolz verloren hat, hat Maria durch ihre Demut gewonnen. as Eva durch ihren Ungehorsam zerstört und verloren hat, das hat Maria durch ihren Gehorsam gerettet. Indem sie der
Schlange gehorchte, verlor Eva mit sich selbst zugleich alle ihre Kinder und lieferte sie ihr aus. Indem sie Gott vollkommen treu blieb, rettete Maria mit sich selbst auch alle ihre Kinder und ihre Diener und weihte sie der Majestät Gottes.
(Art. 54)
Gott setzte hier nicht nur Feindschaft, sondern Feindschaften:
nicht nur zwischen Maria und dem Dämon, sondern auch zwischen den Nachkommen der Heiligsten Jungfrau und den Nachkommen des Dämons. Das heißt, Gott setzte Feindschaften, Widerwillen und geheimen Hass zwischen den Kindern und Dienern der Heiligsten Jungfrau einerseits und den Kindern und Sklaven des Dämons andererseits. Sie lieben einander nicht und finden zueinander keine innere Beziehung.
Die Kinder Baals, die Sklaven Satans, die Freunde dieser Welt (denn das ist alles das gleiche) haben bisher immer schon jene verfolgt und werden immer jene verfolgen, die der Heiligsten Jungfrau angehören, wie auch schon Kain seinen Bruder Abel verfolgt hat, und Esau seinen Bruder Jakob. Kain und Esau symbolisieren die Verworfenen, Abel und Jakob die Auserwählten.
Immer aber wird die demütige Maria über jenen Stolzen den Sieg errin-
gen, einen so großen Sieg, dass sie ihm sogar den Kopf zertreten wird, den Sitz seines Stolzes. Immer wird sie seine Schlangenlist aufdecken, seine höllischen Pläne zunichte machen und seine teuflischen Ratschläge zerstreuen und bis zum Ende der Welt ihre treuen Diener vor seinen grausamen Krallen verteidigen.
Aber die Übermacht Mariens über alle Teufel wird besonders in der Endzeit erstrahlen, wenn Satan ihrer Ferse nachstellen wird, das heißt, ihren demütigen Dienern und armen Kindern, die sie zum Kampf
gegen ihn aufruft.
Klein und arm sind sie im Urteil der Welt und niedrig wie die Ferse vor den Augen aller, getreten und verfolgt, wie es die Ferse ist im Vergleich zu anderen Gliedern des Leibes. Aber im Ausgleich dazu werden sie reich an Gnade Gottes sein, die Maria in Fülle an sie verteilen wird, groß und erhaben in Heiligkeit vor Gott, alle Geschöpfe durch ihren glühenden Eifer überragend, und so stark unterstützt von göttlicher Hilfe, dass sie mit der Demut der Ferese und zusammen mit Maria den Kopf des Teufels zertreten und Christus zum Sieg führen werden.
Kontemplation
(Hl. Ludwig Maria Grignion v. Montfort, Das Geheimnis Mariens)
Die wunderbaren Früchte der Ganzhingabe
(Art. 53)
Die Erfahrung wird dich unendlich viel mehr lehren, als ich dir sagen kann. Und wenn du treu das Wenige vollbringst, das ich dich lehre, dann versichere ich dich, dass du so viel Gnade und Reichtum finden wirst, dass deine Seele von Jubel erfüllt sein wird und du staunen wirst.
(Art 54)
So wollen wir viel arbeiten, meine geliebte Seele, und so handeln, dass durch die treue Übung dieser Hingabe die Seele der Heiligsten Jungfrau mit uns vereint bleibe, um uns in Gott, ihrem Retter zu erfreuen. Oder mit den Worten des heiligen Ambrosius:
„Die Seele Mariens sei in jedem, um den Herrn zu lobpreisen, der Geist Mariens sei in jedem, um sich in Gott zu freuen.“ „Glaube nur nicht“,
sagt der Abt Guerricus, „dass es beglückender sei, im Schoße Abrahams zu wohnen, wie das Paradies genannt wird, als im Schoße Mariens, in dem es dem Herrn selbst gefallen hat, seinen Thron aufzuschlagen.“
(Art. 55)
Eine unendliche Fülle herrlicher Wirkungen bringt diese Ganzhingabe in der Seele hervor, wenn man sie treu übt.
Die wesentlichste von allen ist, dass Maria kommt, um in der Seele zu leben, so dass es nicht mehr die Seele ist, die lebt, sondern Maria, die in ihr lebt (vgl. Gal 2,20 in marianischer Deutung), und die kommt, um gleichsam die Seele dieser Seele zu sein.
Und welche Wunder wirkt nicht Maria, wenn sie durch eine wahrlich unsagbare Gnade kommt, um Königin einer Seele zu sein! Sie ist es, die große Wunder wirkt und dies vor allem in den Herzen, häufig ohne Wissen der Seele selbst. Denn würde die Seele bemerken, was in ihr vor-
geht, dann lief sie auf Grund der Eitelkeit Gefahr, diese Schönheit zu verlieren.
(Art. 56)
Maria ist die fruchtbare Jungfrau. In allen Seelen, in die sie kommt, um zu leben, lässt sie die Reinheit des Herzens und des Leibes sprießen, die Aufrichtigkeit der Absichten und eine reiche Vielzahl an guten Werken.
Glaube nicht, andächtige Seele, dass Maria, die fruchtbarste aller Kreaturen, die dahin gelangt ist, Gott hervorzubringen, in einer treuen Seele untätig bliebe.
Gerade sie wird es sein, die die Seele unablässig für Jesus Christus,
und Christus in der Seele leben lassen wird:
„Meine Kinder, für die ich von neuem Geburtswehen erleide, bis
Christus in euch Gestalt annimmt“ (Gal 4,19).
So wie Jesus bei seinem Kommen in die Welt Frucht Mariens sein wollte, so ist er es gleichermaßen für jede einzelne Seele; und in den Seelen, in denen Maria sichtbarer wohnen kann, erkennt man besser, dass Jesus ihre Frucht und ihr Meisterwerk ist.
(Art. 57)
Am Ende ist Maria, nach Jesus Christus, alles für diese Seelen.
Sie erhellt ihnen durch ihre Demut den Geist, sie entflammt ihn und macht ihn weit durch ihre Liebe, sie reinigt ihn durch ihre Reinheit, sie veredelt ihn und macht ihn groß mit ihrer Mutterschaft.
HYMNUS
Salve Regina (11. Jh.)
Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit,
unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung, sei gegrüßt!
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;
zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.
Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen uns zu, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.
Katechismus
(Art. 2853)
In der Stunde, in der Jesus freiwillig den Tod auf sich nimmt,
um uns sein Leben zu geben, ist der Sieg über den „Herrscher der Welt“ (Joh 14,30) ein für allemal errungen.
Es ist das Gericht über diese Welt, und der Herrscher dieser Welt
wird „hinausgeworfen“ (Joh 12,31). Dieser „verfolgt die Frau“ (Offb 12,13-16), hat aber keine Gewalt über sie; die neue Eva, die vom Heiligen Geist „Begnadete“, wird von der Sünde und der Verderbnis des Todes befreit (in der Unbefleckten Empfängnis und durch die Aufnahme der allzeit jungfräulichen Mutter Gottes Maria in den Himmel).
„Da geriet der Drache in Zorn über die Frau, und er ging fort, um Krieg zu führen gegen ihre übrigen Nachkommen“ (Offb 12,17).
Darum beten der Geist und die Kirche: „Komm, Herr Jesus!“
(Offb 22,17.20), denn sein Kommen wird uns vom Bösen befreien.
Gebet
Kardinal E. Pironio
O Frau des Schweigens und des Kreuzes,
Frau der Liebe und des Opfers,
Frau des angenommenen und des erfüllten Wortes.
O Frau des Friedens und der Hoffnung, Frau aller derer,
die aufbrechen, du bist die Frau des Weges und des Pascha...
Gemeinsam haben wir das Brot der Freundschaft
und der brüderlichen Einheit gebrochen.
Wir fühlen uns stark und glücklich.
Unsere Trauer wird sich in Freude wandeln, und unsere Freude wird vollkommen sein, und niemand wird sie uns entreißen können.
Lehre uns, o Mutter, die Dankbarkeit und die Freude aller Loslösung;
lehre uns, immer mit ganzer Seele ja zu sagen:
komm der Zerbrechlichkeit unseres Herzens zu Hilfe und sprich dieses ja für uns.
Sei du der Weg für die, die aufbrechen, und die Heiterkeit derer, die zurückbleiben. Begleite unseren gemeinsamen Pilgerweg zum Vater hin.
Lehre uns, dass dieses Leben eine fortwährende Trennung ist, ein unablässiger Abschied und ein dauerndes Opfer, ein Hinübergang und ein Pascha, bis der endgültige Heimgang erreicht, das Pascha vollzogen ist.
Dann werden wir verstehen, dass man sterben muss, um zu leben,
dass man sich trennen muss, um in Fülle dem Herrn zu begegnen,
dass man viele Grenzen überschreiten muss, ehe man in die Glorie eintreten kann.
Du, unsere Frau allen Trostes, du, Bildnis und Anfang der Kirche:
Deinem armen, schweigenden und fügsamen Herzen vertrauen wir diese Kirche an auf ihrem Pilgerweg des Pascha.
Eine Kirche, missionarisch in ihrem Wesen, Ferment und Seele der Welt, in der wir leben;
eine prophetische Kirche, Verkündigung des Reiches, das schon in unserer Mitte ist; eine Kirche authentischer Zeugen, eingetaucht in die Geschichte der Menschen, als die heilbringende Gegenwart des Herrn,
die Zuflucht des Friedens, der Freiheit und der Hoffnung.