Tag 9: FREIHEIT IN GOTT
im Denken und in den Werken

„Die Wahrheit wird euch befreien“ (Joh 8,32), sagt Jesus;
befreien von der Finsternis des Irrtums und der Sklaverei der Sünde, denn wo die Wahrheit ist, da ist der Heilige Geist.
Lesung
(Joh 8,31-36)
Da sagte er zu den Juden, die an ihn glaubten:
Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien.
Sie erwiderten ihm:
Wir sind Nachkommen Abrahams und sind noch nie Sklaven gewesen. Wie kannst du sagen: Ihr werdet frei werden?
Jesus antwortete ihnen:
Amen, amen, das sage ich euch: Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde. Der Sklave aber bleibt nicht für immer im Haus;
nur der Sohn bleibt für immer im Haus.
Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei.
Botschaft
(S. Martino, 11.7.1990)
Flehen wir um die Hilfe des Vaters.
Meine Kinder, vielgeliebtes Volk,
ich will euch zu einer vollkommenen Heilung bringen,
euch heilen vom schweren Übel, das die ganze Menschheit bedrängt
und die Liebe Gottes verletzt. Strengt euch an, davon frei zu werden:
Beseitigt in euch den Willen zur Sünde, und das schwere Übel wird vernichtet sein, und das Leben in euch wird sich offenbaren.
Rechtfertigt euch nicht mehr selbst, sondern tretet in das Gericht Gottes ein; nur Er ist Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit.
Liebe Kinder, damit in eurem sterblichen Leib nicht mehr die Sünde herrsche, werde ich euch kämpfen helfen und mit euch beten.
Ich segne euch alle.
Betrachtung
(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Traktat über die wahre Vereh-
rung der Heiligen Jungfrau)
Die Ganzhingabe verleiht uns eine große innere Freiheit
(Art. 169)
Die Ganzhingabe verleiht allen, die sie treu üben, eine große innere Freiheit, die Freiheit der Kinder Gottes (Röm 8,21).
Wer sich durch diese Hingabe zum Sklaven Jesu Christi macht, indem er sich ihm gänzlich weiht, den belohnt dieser gute Herr für diesen liebenden Selbstverzicht dadurch, dass er seine Seele von jeglicher knechtischen Furcht befreit, die sie nur einengt, gefangen hält und verwirrt, dass er ihm das Herz weitet durch ein heiliges Vertrauen auf Gott, den er als seinen Vater erkennt und ihm eine zarte und
kindliche Liebe einflößt.
(Art. 170)
Ich will mich nicht damit aufhalten, diese Wahrheit mit Begründungen zu belegen, sondern will nur eine Begebenheit
anführen, die ich in der Lebensgeschichte der Mutter Agnes
von Jesus gelesen habe, einer Dominikanerin im Kloster
Langeac in der Auvergne, die im Jahre 1634 im Ruf der Heiligkeit gestorben ist.
Schon im Alter von sieben Jahren litt sie große seelische Nöte. Damals hörte sie eine Stimme, die zu ihr sagte: „Wenn du von all deinen Nöten befreit und gegen alle deine Feinde beschützt sein willst, dann übergib dich sofort Jesus und Maria als Eigentum.” Zuhause angekommen, schenkte sie sich Jesus und Maria vollkommen
als ihr Eigentum, obgleich sie noch nicht wusste, was dies bedeutete, und legte eine eiserne Kette um ihre Hüfte, die sie bis zu ihrem Tod trug.
Als sie dies getan hatte, schwanden alle ihre Nöte und Skrupel fast wie durch ein Wunder, und großer Friede war in ihrem Herzen.
Sie fühlte sich dann verpflichtet, diese Ganzhingabe auch andere Personen zu lehren, die darin große Fortschritte machten; unter diesen war auch Orlier, der Gründer des Seminars von Saint Sulpice, und mehrere andere Priester und Kleriker dieses Seminars.
Eines Tages erschien ihr die Heilige Jungfrau und legte ihr eine goldene Kette um den Hals, um ihre Freude darüber zu bezeugen,
dass sie sich ihrem Sohn und ihr als Sklavin geweiht hatte.
Und die Heilige Cäcilia, die in Begleitung der Gottesmutter erschienen war, sagte zu ihr: „Selig sind die treuen Diener der Himmelskönigin, denn sie werden die wahre Freiheit genießen:
Tibi servire libertas.“
Kontemplation
(Nachfolge Christi, II/4)
Lauterkeit und Einfalt
1. Mit zwei Flügeln schwingt sich der Mensch über das Irdische empor, sie heißen:
Einfalt und Lauterkeit. Einfalt muss seinen Absichten zugrundeliegen, Lauterkeit seinen Neigungen.
Die Einfalt sucht Gott, die Lauterkeit findet und genießt Ihn.
Wenn du in deinem Innern von allen unordentlichen Neigungen frei bist, so wird keine gute Handlung deinen Aufschwung zu Gott hindern.
Wenn du nichts anderes suchst, als das Wohlgefallen Gottes und den Nutzen des Nebenmenschen, so wirst du wahre Geistesfreiheit genießen.
Wenn dein Herz rein wäre, so würde jedes Geschöpf ein Lebensspiegel und ein Buch voll heiliger Lehren für dich sein.
Denn es ist ja kein Geschöpf so gering und so schlecht, dass nicht die Güte Gottes rein aus ihm hervorleuchtete.
2. Wäre dein Inneres gut und rein, so würdest du alles ohne Hindernis einsehen und ohne Mühe begreifen.
Ein reines Herz durchdringt Himmel und Hölle.
Wie jederinnerlich beschaffen ist, so urteilt er auch äußerlich.
Wenn je eine Freude auf der Welt zu finden ist, so genießt sie gewiss ein Mensch, der ein reines Herz hat. Und wenn es irgendwo eine Trübsal und Angst gibt, so erfährt dieselbe ein böses Gewissen am meisten. Gleich wie das Eisen im Feuer den Rost verliert und ganz glühend wird, ebenso wird der Mensch, welcher sich gänzlich zu Gott bekehrt, von seiner Schlafsucht befreit und in einen neuen Menschen umgewandelt.
3. Wenn der Mensch anfängt lau zu werden, so fürchtet er eine geringe Beschwerde und nimmt gern äußeren Trost an.
Aber wenn er anfängt, sich vollkommen zu überwinden und beherzt auf dem Wege Gottes zu wandeln, so achtet er jene Dinge nicht mehr, die ihm zuvor hart zu sein scheinen.
(Psalm 146)
Halleluja!
Lobe den Herrn, meine Seele!
Ich will den Herrn loben, solange ich lebe,
meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.
Verlasst euch nicht auf Fürsten,
auf Menschen, bei denen es doch keine Hilfe gibt.
Haucht der Mensch sein Leben aus und kehrt zurück zur Erde,
dann ist es aus mit all seinen Plänen.
Wohl dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist und der seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt.
Der Herr hat Himmel und Erde gemacht, das Meer und alle Geschöpfe; er hält ewig die Treue.
Recht verschafft er den Unterdrückten, den Hungernden gibt er Brot;
der Herr befreit die Gefangenen.
Der Herr öffnet den Blinden die Augen, er richtet die Gebeugten auf.
Der Herr beschützt die Fremden und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht.
Der Herr liebt die Gerechten, doch die Schritte der Freveler leitet er in die Irre. Der Herr ist König auf ewig, dein Gott, Zion,
herrscht von Geschlecht zu Geschlecht. Halleluja!
Katechismus
(Art. 1731)
Die Freiheit ist die in Verstand und Willen verwurzelte Fähigkeit, zu handeln oder nicht zu handeln, dieses oder jenes zu tun und so von sich aus bewusste Handlungen zu setzen. Durch den freien Willen kann jeder über sich selbst bestimmen. Durch seine Freiheit soll der Mensch in Wahrheit und Güte wachsen und reifen. Die Freiheit erreicht dann ihre Vollendung, wenn sie auf Gott, unsere Seligkeit, ausgerichtet ist.
(Art. 1733)
Je mehr man das Gute tut, desto freier wird man. Wahre Freiheit gibt es nur im Dienst des Guten und der Gerechtigkeit. Die Entscheidung zum Ungehorsam und zum Bösen ist ein Missbrauch der Freiheit und macht zum Sklaven der Sünde.
(Art. 1741)
Befreiung und Heil. Durch sein glorreiches Kreuz hat Christus allen Menschen das Heil erworben. Er hat sie von der Sünde befreit, die
sie gefangen hielt.
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ (Gal 5, 1). In ihm haben wir teil an der „Wahrheit“, die frei macht. Uns wurde der Heilige Geist geschenkt, und „wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ (2 Kor 3, 17), lehrt der hl. Paulus. Schon jetzt rühmen wir uns der „Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“.
Gebet
(Romanos Melodos, aus dem „Hymnus der Epiphanie II“)
Als Gott sich Abraham zeigte, an der Eiche von Mambre sitzend,
erschien er in Gestalt eines Engels.
Abraham jedoch erkannte nicht, wer er war, denn seinen Anblick hätte er nicht ertragen.
Heute zeigt er sich uns nicht in dieser Weise, sondern in seiner eigenen Gestalt, als das Fleisch gewordene Wort.
Dort das Geheimnis, hier die Realität;
für die Väter die Schatten,
für die Patriarchen die Symbolgestalt;
für die Söhne jedoch die Wahrheit selbst.
Gott erschien einst dem Abraham, doch dieser sah Gott nicht.
Wir jedoch, weil er es so will, betrachten und berühren ihn,
Ihn, der erschienen ist und das Universum erleuchtet hat.
Deine Erscheinung habe ich besungen.
Gib mir ein Zeichen, reinige mich von all meiner verborgenen Schuld,
denn meine heimlichen Wunden bedrücken mich.
Lege deine unsichtbare Salbe behutsam auf meine Wunde.
Vor dir, o Herr, falle ich auf die Knie, wie die Frau, die an Blutfluss litt, und ich berühre den Saum deines Gewandes mit den Worten:
„Wenn ich ihn nur berühre, so werde ich gesund.“
Lass nicht zu, du Arzt der Seelen, dass mein Glaube vergeblich sei.
Ich enthülle, woran ich leide, und ich werde dich finden zu meinem Heil, Dich, der du erschienen bist und das Universum erleuchtet hast.