Tag 10: GEHORSAM ZUM WILLEN GOTTES
Verzicht auf eigenen Willen und eigenes Urteil

Der Gehorsam ist „die Bußübung des Verstandes und des Urteils“ und,
da sie jede körperliche Abtötung überragt, „das dem Herrn willkommen
ste und wohlschmeckendste Opfer“ (Hl. Johannes vom Kreuz).
Lesung
(Röm 6,17-23)
Gott aber sei Dank; denn ihr wart Sklaven der Sünde, seid jedoch von Herzen der Lehre gehorsam geworden, an die ihr übergeben wurdet.
Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit und seid zu Sklaven der Gerechtigkeit geworden.
Wegen eurer Schwachheit rede ich nach Menschenweise:
Wie ihr eure Glieder in den Dienst der Unreinheit und der Gesetz-losigkeit gestellt habt, so dass ihr gesetzlos wurdet, so stellt ihr jetzt eure Glieder in den Dienst der Gerechtigkeit, so dass ihr heilig werdet. Denn als ihr Sklaven der Sünde wart, da wart ihr der Gerechtigkeit gegenüber frei.
Welchen Gewinn hattet ihr damals?
Es waren Dinge, deren ihr euch jetzt schämt; denn sie bringen den Tod. Jetzt, da ihr aus der Macht der Sünde befreit und zu Sklaven Gottes geworden seid, habt ihr einen Gewinn, der zu eurer Heiligung
führt und das ewige Leben bringt. Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.
Botschaften
(S. Martino, 4.3.1992)
Beten wir gemeinsam.
Meine Kinder, an euch alle richte ich heute meine neuerliche Einladung: intensiviert euer Gebet, eure Buße und Abtötung
für euer Heil und das vieler eurer Brüder.
Lebt noch mehr in liebendem Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes. Ich lade euch ein, die Reinigung des Tempels des Heiligen Geistes, welcher euer Körper ist, vorzunehmen.
Stellt in euch die Schönheit der Unschuld wieder her, damit sich in euch die Schönheit Jesu offenbare.
Meine Kinder, versäumt nicht diese günstige Zeit.
Ruft alle zur Bekehrung auf. Ich werde euch nicht verlassen.
Ich segne euch alle.
Betrachtung
(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Die Liebe zur Ewigen Weisheit)
(Art. 201)
Um die Weisheit zu erlangen, müssen wir unseren Leib abtöten, nicht nur dadurch, dass wir die physischen Krankheiten, die Unbilden der Witterung und alle Angriffe von Seiten der Geschöpfe während unseres irdischen Lebens in Geduld ertragen, sondern auch dadurch, dass wir uns selbst gewisse Mühen und Abtötungen auferlegen, wie Fasten, Nachtwachen und manch andere strenge Übung der
heiligen Büßer.
Dazu gehört Mut, denn der Leib vergöttert sich von Natur aus selbst, und die Welt hält jede körperliche Abtötung für unnütz und lehnt sie ab. Was sagt sie nicht alles, und was unternimmt sie nicht alles, um die strengen Übungen der Heiligen zu verhindern!
Doch steht über jedem einzelnen von ihnen, je nach Gelegenheit, geschrieben: „Er hielt seinen Leib in strenger Knechtschaft durch ständige Nachtwachen und Geißelungen, durch Kälte, Nacktheit und alle Entbehrungen, denn er hatte einen Bund geschlossen mit seinem Körper: ihm keine Ruhe zu gönnen in dieser Welt...“
(Römisches Brevier, 19. Oktober).
(Art. 202)
Damit diese äußere freiwillige Abtötung gute Früchte bringe, ist es absolut notwendig, sie durch den heiligen Gehorsam mit der Abtötung des eigenen Urteils und des eigenen Willens zu verbinden. Denn ohne diesen Gehorsam ist jede Abtötung vom Eigenwillen befleckt und freut oft den Teufel mehr als Gott.
Darum dürfen wir uns keine größere Buße auferlegen, ohne weisen Rat einzuholen. Ich, die Weisheit, verweile bei der Klugheit (Spr 8,12). Wer auf seinen eigenen Verstand vertraut, ist ein Tor (Spr 28,26).
Der Kluge tut alles mit Überlegung (Spr 13,16). Wer nicht will, dass er bereuen muss, was er getan hat, der darf es nur tun, nachdem er den Rat eines weisen Mannes eingeholt hat.
Diesen großen Rat gibt uns der Heilige Geist:
Tu nichts ohne Rat und Überlegung, dann hast du dir nach der Tat nichts vorzuwerfen (Sir 32,19). Such nur bei Verständigen Rat (Tob 4,18).
Durch diesen Gehorsam schließt man die Eigenliebe aus, die alles verdirbt, und selbst die kleinste Handlung wird verdienstvoll; man ist vor den Täuschungen des Dämons gefeit; man besiegt alle Feinde und gelangt sicher, fast wie im Schlaf, in den Hafen des Heiles.
All das Gesagte ist zusammengefasst in dem wichtigen Rat:
Lass alles zurück, und du wirst in der inkarnierten Weisheit, in Jesus Christus, alles finden (vgl. Nachfolge Christi, III/11,1).
Kontemplation
(Nachfolge Christi, III/32)
Verleugne dich selbst
1. Mein Sohn! Du kannst die vollkommene Freiheit nicht genießen, wenn du dich selbst nicht ganz verleugnest.
Alle, welche nach Reichtum streben, sich selbst lieben, lüstern, vorwitzig, genusssüchtig sind, welche immer nur nach einem weichlichem Leben und nicht nach dem, was Jesu Christi ist, trachten, sich in ihren Gedanken und Einbildungen oft mit Dingen beschäftigen, die keinen Bestand haben, alle diese sind gleichsam mit Banden verstrickt. Denn alles, was nicht von Gott entspringt, wird
zugrunde gehen.
Merke dir nur diese wenigen Worte, welche alles in sich begreifen:
„Verlass alles, und du wirst alles finden, verlass die Begierde, und du wirst die Ruhe finden.“
Nimm dieses wohl zu Herzen, und wenn du danach handelst, dann wirst du alles vollkommen verstehen.
2. Herr! Dies ist nicht das Werk eines Tages, es ist auch kein Kinderspiel, sondern in diesen wenigen Worten ist die ganze Vollkommenheit derer, die Gott suchen, enthalten.
3. Mein Sohn! Du musst dich nicht abwendig machen lassen oder sogleich den Mut verlieren, wenn du von dem Wege der Vollkommenheit hörst, sondern dich desto mehr zu höherer Vollkommenheit angetrieben fühlen, wenigstens sollst du mit ganzer Begierde danach seufzen.
Stände es doch so mit dir, und wärest du einmal so weit gekommen, dass du, frei von Eigenliebe, nur auf Meinen Wink und auf den Wink
jenes Vorgesetzten, welchen Ich dir gegeben habe, bereit ständest, dann würde Ich das größte Wohlgefallen an dir haben, und dein ganzes Leben würde in Freude und Frieden vorübergehen.
Du musst noch vieles verlassen und wenn du es nicht ganz Mir
übergibst, so wirst du nicht erhalten, was du begehrst. Ich rate dir, dass du bewährtes Gold von Mir kaufest, damit du reich werdest, das ist himmlische Weisheit, welche alles Irdische mit Füßen tritt.
Dieser setze die weltliche Weisheit und alles menschliche und eigene Wohlgefallen nach.
4. Ich sagte, du müsstest das in den Augen der Menschen Schlechtere für das Kostbare und Hohe einkaufen.
Denn die wahre himmlische Weisheit, welche nicht hoch von sich denkt, und nicht verlangt auf dieser Welt gepriesen zu werden, wird für sehr schlecht und gering gehalten und scheint fast in gänzlicher Vergessenheit zu sein.
Viele rühmen sie zwar mit dem Munde, aber in ihrem Leben weichen sie weit von ihr ab, sie ist aber doch eine kostbare Perle, welche vielen verborgen ist.
(Psalm 119,7-9. 13-14. 40-45)
Mit lauterem Herzen will ich dir danken, wenn ich deine gerechten Urteile lerne. Deinen Gesetzen will ich immer folgen.
Lass mich doch niemals im Stich!
Wie geht ein junger Mann seinen Pfad ohne Tadel?
Wenn er sich hält an dein Wort.
Mit meinen Lippen verkünde ich alle Urteile deines Mundes.
Nach deinen Vorschriften zu leben freut mich mehr als großer Besitz.
Nach deinen Befehlen hab' ich Verlangen.
Gib mir neue Kraft durch deine Gerechtigkeit!
Herr, deine Huld komme auf mich herab und deine Hilfe, wie du es verheißen hast. Dann kann ich dem, der mich schmäht, erwidern;
denn ich vertraue auf dein Wort.
Entziehe meinem Mund nicht das Wort der Wahrheit!
Ich hoffe so sehr auf deine Entscheide.
Ich will deiner Weisung beständig folgen, auf immer und ewig.
Dann schreite ich aus auf freier Bahn; denn ich frage nach deinen Befehlen.
Katechismus
(Art. 1850)
Die Sünde ist eine Beleidigung Gottes:
„Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was dir missfällt“ (Ps 51, 6).
Die Sünde lehnt sich gegen die Liebe Gottes zu uns auf und wendet unsere Herzen von ihm ab. Wie die Ursünde ist sie ein Ungehorsam, eine Auflehnung gegen Gott durch den Willen, „wie Gott“ zu werden und dadurch Gut und Böse zu erkennen und zu bestimmen (Gen 3, 5).
Die Sünde ist somit „die bis zur Verachtung Gottes gesteigerte Selbstliebe“ (hl. Augustinus, civ. 14, 28).
Die Sünde ist wegen dieser stolzen Überheblichkeit dem Gehorsam Jesu, der das Heil wirkt, völlig entgegengesetzt.
(Art. 2087)
Unser sittliches Leben wurzelt im Glauben an Gott, der uns seine Liebe offenbart. Der heilige Paulus spricht vom „Gehorsam des Glaubens“ als der ersten Pflicht. Im „Verkennen“ Gottes sieht er den Grund und die Erklärung für alle sittlichen Verfehlungen. Wir haben Gott gegenüber die Pflicht, an ihn zu glauben und ihn zu bezeugen.
(Art. 967)
Weil sie dem Willen des Vaters, dem Erlösungswerk ihres Sohnes und jeder Anregung des Hl. Geistes voll und ganz zustimmte, ist die Jungfrau Maria für die Kirche das Vorbild des Glaubens und der Liebe.
Daher ist sie „schlechthin herausragendes und geradezu einzigartiges
Glied der Kirche“ (LG 53); sie stellt das „Urbild der Kirche“ [Ecclesiae typus] (LG 63) dar.
Gebet
(Hl. Theresia von Jesus, Gründungen 5,3.12)
O Jesus, der du gehorsam warst bis zum Tod, es kann nicht dein Wunsch sein, dass eine Seele, die dich liebt, einen anderen Weg geht als den deinen.
O Herr, lehre uns, uns voll Vertrauen auf dein Wort zu verlassen: „Wer auf euch hört, der hört auf mich.“
Lehre uns, all unserem Eigenwillen zu entsagen:
Ein Opfer, das dir wohl gefällt, denn es macht dich zum Herrn über jenen freien Willen, den du selbst uns geschenkt hast. Hilf uns, den Widerstand der Natur zu überwinden, damit wir uns, wenn auch unter Mühen und tausend Kämpfen, mit dem gleichförmig machen, was uns befohlen wird.
So mach denn, mit oder ohne Mühe, dass wir lernen, uns zu unterwerfen. Versage uns nicht deine Hilfe.
Denn wenn wir uns bemühen, um der Liebe zu dir willen, unsere Vernunft und unseren Willen zu unterwerfen, wirst du uns Gelegenheit geben, zu Herren zu werden.
Und wenn wir zu Herren über uns selbst geworden sind, können wir uns dir vollkommen weihen und dir einen reinen Willen hingeben, damit du ihn mit dem deinen vereinst.
Daher bitten wir dich, sende das Feuer deiner Liebe vom Himmel herab, um das Opfer zu vollziehen!
Deine Gnade helfe uns, dass wir nichts unterlassen, um diese Opfergabe auf den Altar zu legen zu können!