Erste Woche TAG 5
Der Stolz war die S ünde der Engel. Stolz ist Gottesferne, daher ist er die Hölle.

Alle Sünden gegen die Liebe Gottes: die Gleichgültigkeit, die Undank-
barkeit, die Lauheit, die Trägheit und am Ende der Hass gegen Gott, sind aus dem Stolz geboren. Die Anbetung des einzigen Gottes befreit den Menschen von der Selbstbezogenheit, von der Sklaverei der Sünde und der Vergötzung der Welt. (Katechismus, 2097)
Lesung
(Lk 18,9-14)
Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Beispiel:
Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten;
der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet:
Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.
Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch:
Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
(Sir 10,12-18)
Mit dem Trotz des Menschen fängt sein Übermut an, wenn
sich sein Herz abkehrt von seinem Schöpfer.
Ein See der Maßlosigkeit ist die Sünde, aus ihr quillt Un-
recht hervor.
Darum wirkt Gott Wunder und Plagen und schlägt den
Sünder bis zur Vernichtung.
Gott stürzt den Thron der Stolzen
und setzt an ihre Stelle die Demütigen.
Gott verwischt die Spuren der Völker, ihren Wurzelstock schlägt er ab bis auf den Grund.
Er fegt sie aus dem Land und rottet sie aus, ihr Andenken lässt er von der Erde verschwinden.
Maßlosigkeit ziert dem Menschen nicht, frecher Zorn nicht dem von einer Frau Geborenen.
Botschaft
(S. Martino, 25.12.2001)
Singt mit mir Ehre dem Allerhöchsten.
Meine Kinder, seht, ein neuer Tag ist angebrochen:
der Tag der Liebe im Schmerz, ein Festtag inmitten der Leiden.
Liebe Kinder, bewirkt, dass Stille euch umgibt,
reißt euer Ich aus eurem Herz heraus, um Jesus Raum zu geben:
sein Friede umhülle die ganze Welt!
Lasst euch von mir zur Quelle der Freude führen:
aller Durst nach Frieden wird gestillt werden!
Es ist notwendig, dass die ganze Welt sich
zu dieser Quelle auf den Weg macht: zu Jesus!
Heiligt diese heilige Weihnacht. Ich segne euch alle mit Jesus.
Betrachtung
(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Brief an die Freunde des Kreuzes)
(Art. 25)
Ihr rühmt euch mit Recht, Kinder Gottes zu sein.
Und darum rühmt euch auch der Peitschenhiebe, die euch dieser gute
Vater gegeben hat und geben wird, denn der Herr „schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat“ (Hebr 12,6).
Der Heilige Augustinus sagt, wenn ihr nicht zu seinen geliebten Kindern gehört, dann - oh schreckliches Unglück! - gehört ihr zur Zahl der Verdammten. Derselbe Heilige bemerkt auch, dass der, der nicht wie ein Pilger und Fremdling in dieser Welt leidet, sich in der anderen Welt nicht als Bürger des Himmels freuen können wird.
Würde Gott euch nicht von Zeit zu Zeit ein schweres Kreuz schicken, so müsste man vermuten, dass er sich nicht mehr um euch kümmert, dass er euch zürnt, dass er euch in Hinkunft als Fremde für sein Haus und als nicht unter seinem Schutz Stehende betrachtet, oder als Stiefkinder (Heb 12,8), die kein Anrecht auf das väterliche Erbe haben und nicht seine besondere Fürsorge und Lenkung verdienen.
(Art. 28)
Ihr seid Tempel des Heiligen Geistes (1 Kor 6,19; S. Martino 4.3.92). Das wisst ihr. Ihr wisst auch, dass ihr als „lebendige Steine“ (1 Petr 2,5) von diesem Gott der Liebe zum Aufbau des himmlischen Jerusalem (Offb 21,2.10) eingesetzt werdet.
Seid also darauf gefasst, mit dem Hammer des Kreuzes behauen und bearbeitet zu werden, andernfalls würdet ihr rohe Steine bleiben, die zu nichts zu gebrauchen sind, die als wertlos erachtet und weggeworfen werden.
Gebt gut acht, dass der Hammer, der euch behaut, nicht abprallt und achtet wohl auf den Meißel, der euch formt und die Hand, die euch zurechtfiehlt. Vielleicht will der göttliche Architekt, erfahren und wohlwollend, aus euch einen der wichtigsten Steine seines ewigen Gebäudes machen und eine der schönsten Ikonen seines himmlischen Reiches. Lasst ihn also gewähren.
Er hat euch lieb und weiß, was er tut, und er hat Erfahrung.
Alle seine Schläge sind fachmännisch, geschickt und von der Liebe geleitet. Keiner seiner Schläge trifft nur zufällig, darum vereitelt sie nicht durch eure Zurückweisung des Leidens.
(Art. 31)
Blickt auf die vielen Apostel und Märtyrer im Purpur ihres Blutes, die vielen Jungfrauen und Bekenner, die in Armut gestürzt, gedemütigt, vertrieben und verstoßen wurden. Sie alle wiederholen euch mit dem Heiligen Paulus: Heftet fest euren Blick auf Jesus, den Urheber und Vollender des Glaubens: unseres Glaubens an ihn und an sein Kreuz. Er musste leiden, um so in seine Herrlichkeit einzugehen.
Und an der Seite Jesu, blickt auf Maria, der das Schwert das zarte und unschuldige Herz durchdrang (Lk 2,35). Blick auf die, die immer rein war von jedem Makel der Sünde, sowohl der Erbsünde als auch der persönlichen Sünde.
Wie viel wollte ich noch sagen vom Leiden Jesu und seiner Mutter, um aufzuzeigen, dass unser Leiden ein Nichts ist im Vergleich zu dem, was diese beiden gelitten haben!
Kontemplation
(Nachfolge Christi, III/8)
Sei gering in deinen Augen und vor deinem Gott!
1. Soll ich mir getrauen, zu meinem Herrn zu reden, obwohl ich nur Staub und Asche bin?
Wollte ich mich höher schätzen, siehe, so bist Du wider mich:
meine Bosheiten legen wider mich ein wahres Zeugnis ab, und ich kann nicht widersprechen. Wenn ich mich aber selbst verdemütige und vernichte, wenn ich alle eigene Hochschätzung ablege und mich bis in den Staub, welchem ich in der Tat gleich bin, erniedrige, so
bist Du bereit, mir Deine Gnade zu geben und Dein Licht in meinem Herzen scheinen zu lassen, und es wird sodann alle, sogar auch die geringste Selbstschätzung in dem Abgrunde meines Nichts versenkt und für alle Zeit getilgt werden. Da zeigst Du mir, was ich wirklich bin, was ich einst war und wie weit es mit mir gekommen ist, dass ich
nämlich nichts bin und dass ich auch dieses nicht einmal gewusst habe.
Wenn ich mir selbst überlassen werde, so bin ich nichts, nichts als Schwachheit; wenn Du aber einen Blick der Gnade auf mich wirfst, dann werde ich sogleich gestärkt und mit neuer Freude erfüllt.
Es ist auch höchst wunderbar, dass ich auf einmal so erhöht werde, und dass Du mich so liebreich umfängst, da ich doch von der Last meines eigenen Elendes beständig in den Abgrund gezogen werde.
2. Dieses wirkt Deine Liebe, welche mir ohne meine Verdienste zuvorkommt und in so vielen Nöten Hilfe leistet, mich in schweren Gefahren beschützt, und, damit ich die Wahrheit bekenne, aus unzählbaren Übeln errettet.
Denn als ich mich selbst unordentlich liebte, habe ich mich zugrunde gerichtet; und als ich Dich allein suchte und aufrichtig liebte, habe ich mich und Dich zugleich gefunden und aus Liebe zu Dir noch tiefer mich in mein Nichts versenkt. Denn Du, o Süßester, gehst mit mir über
alle meine Verdienste liebreich um und verfährst mit mir viel gütiger, als ich es hoffen könnte oder mir zu begehren getraute.
3. Du sollst ewig gepriesen sein, o mein Gott! Denn, obwohl ich aller Gnaden unwürdig bin, so hörst Du doch aus Großmut und unendlicher Güte niemals auf, sogar den Undankbaren und denen, welche sich weit von Dir entfernt haben, Gutes zu tun.
Bekehre uns zu Dir, damit wir dankbar, demütig und andächtig sein mögen, denn Du bist unser Heil, unsere Kraft und unsere Stärke.
(Psalm 131)
Herr, mein Herz ist nicht stolz, nicht hochmütig blicken meine Augen.
Ich gehe nicht um mit Dingen, die mir zu wunderbar und zu hoch sind. Ich ließ meine Seele ruhig werden und still;
wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.
Israel harre auf den Herrn von nun an bis in Ewigkeit!
Katechismus
(Art. 1033)
Wir können nicht mit Gott vereint werden, wenn wir uns nicht freiwillig dazu entscheiden, ihn zu lieben.
Wir können aber Gott nicht lieben, wenn wir uns gegen ihn, gegen unseren Nächsten oder gegen uns selbst schwer versündigen:
„Wer nicht liebt, bleibt im Tod. Jeder, der seinen Bruder
hasst, ist ein Mörder, und ihr wisst: Kein Mörder hat ewiges
Leben, das in ihm bleibt“ (1 Joh 3,14-15).
Unser Herr macht uns darauf aufmerksam, dass wir von ihm getrennt werden, wenn wir es unterlassen, uns der schweren Nöte der Armen und Geringen, die seine Brüder und Schwestern sind, anzunehmen (vgl. Mt 25,31-46).
In Todsünde sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluss für immer von ihm getrennt zu bleiben. Diesen Zustand der endgültigen Selbstausschließung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen nennt man „Hölle“.
Gebet
(J.H. Newman)
Du, und nur Du, o Herr, bist „Weg, Wahrheit und Leben“ (Joh 14,6).
Die Erde kann mich niemals zum Himmel geleiten, denn der einzige Weg dahin bist du.
Mein Gott, kann ich auch nur einen Augenblick über den Weg im Zweifel sein, den ich einschlagen muss?
Könnte ich fähig sein, mich nicht sofort für dich zu entscheiden?
Zu wem sollte ich gehen, o Herr?
„Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh 6,69).
Du bist aus dem einzigen Grund zu uns herabgekommen, aus mir zu machen, was kein anderer hätte machen können.
Nur der, der im Himmel ist, kann mich in den Himmel führen.
Wo sonst sollte ich die Kraft finden, das Gebirge zu besteigen?
Auch wenn ich meine Mission gut erfüllt hätte,
auch wenn ich zum Wohl der anderen gewirkt hätte,
auch wenn ich mir einen guten Namen und einen großen Ruf geschaffen hätte, wenn mein Handeln gerühmt würde und ich die Würdigung der Geschichte verdient hätte,
wie könnte mich all dies in den Himmel führen?
Darum erwähle ich dich als mein Erbe, denn du lebst und kennst nicht den Tod.
Ich schenke mich dir und werfe die falschen Götter weit von mir.
Dich bitte ich, o Herr, lehre mich, führe mich, verleihe mir Mut und nimm mich auf bei dir!
(Hl. Augustinus, Über den Psalm 120,5)
Wie sie sich aus sich selbst nicht erheben, so erleuchten sich die Berge nicht selbst.
In deinem Namen, o Herr, werde ich das Licht sehen.
Wenn wir aber in deinem Namen das Licht sehen,
wer anders wird dann in der Ferne des Lichtes stürzen als der,
für den du nicht Licht bist?
Wollte ich für mich selbst Licht sein,
würde ich ferne von dir stürzen, der du mich erleuchtest.
Ich weiß also, dass nur der stürzt, der für sich selbst das Licht sein will, während er für sich selbst Finsternis ist,
und ich bitte dich, lass nicht zu, dass der Stolz seinen Fuß in mich setze, noch dass ich mich vom Beispiel der Sünder hinreißen lasse,
auf dass ich nicht ferne von dir stürze.