Erste Woche TAG 4
Es ist unsere Eigenliebe, die uns daran hindert, innerlich zu sterben und in Christus leben zu können

Die Anhänglichkeiten und Gelüste verdunkeln in der Seele den Glanz der Wahrheit und lassen sie nicht zum wahren Leben gelangen.
Lesung
(Joh 12,24-26)
Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.
Botschaft
(San Martino, 26.7.1994)
Ehre sei dem Vater.
Meine Kinder, vereint im Gebet, in dieser Pause, die euch stärkt, wünsche ich euch einen evangelischen Geist voll brennender Nächstenliebe zu schenken,
damit eure Ausdrucksweise voll Feingefühl, voll lächelndem Schweigen und nachsichtigem Verständnis sei.
Oft gestichelt von eurer Eigenliebe, wisst ihr Augen und Ohren zu verschließen, um nicht zu explodieren und zu töten.
Meine Kinder, ein neues Leben möchte ich durch euch entstehen lassen, aber wie soll es entstehen, wenn ihr nicht euer Leben hingebt?
Nochmals bitte ich euch: Lasst mich in dieser finsteren Zeit nicht allein, ich brauche euch alle!
Jesus muss in jedes Herz eintreten, bevor die Herzen verfaulen.
Ich liebe euch, meine Kinder, und euch an mich drückend, segne ich euch.
Betrachtung
(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Brief an die Freunde des Kreuzes)
Gott demütigt, um zu reinigen
(Art. 47)
Überzeugt euch, dass alles in uns auf Grund der Sünde Adams und unserer gegenwärtigen Sünden zum Bösen geneigt ist. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf die Sinne des Leibes, sondern auch für alle Fähigkeiten der Seele.
So geschieht es also, dass, sobald unser so zum Schlechten geneigter Geist mit Wohlgefallen irgendeine Gabe Gottes betrachtet, dieses Geschenk oder diese Tat oder Gnade sofort unrein wird und verdirbt, und Gott seinen Blick davon abwendet.
Wenn nun das Auge und die Gedanken des menschlichen Geistes unsere besten Taten und selbst die göttlichen Gaben verderben, was sollen wir dann erst von unseren Willensäußerungen sagen, die noch verderbter sind als jene des Geistes?
Man darf sich also nicht verwundern, dass es Gott gefällt, seine Freunde „im Schutz seines Angesichtes“ zu verbergen (Ps 31,21), damit sie weder durch den Blick der Menschen noch durch ihre eigenen Gedanken befleckt werden.
Was erlaubt nicht dieser eifersüchtige Gott, und was tut er nicht alles, um sie auf diese Weise zu verbergen! In wie viel Schuld lässt er sie stürzen! Von wie vielen Versuchungen erlaubt er, dass sie bedrängt werden, so wie er es mit dem Heiligen Paulus tat! (2 Kor 12,7).
Wie vielen Unsicherheiten, Finsternissen und Ratlosigkeiten überlässt er sie!
Ja, Gott ist wahrhaft zu bewundern in seinen Heiligen und in den
Wegen, denen er folgt, um sie zur Demut und zur Heiligkeit zu führen!
Kontemplation
(Nachfolge Christi, III/27)
Das höchste Gut des Menschen hat keinen ärgeren Feind
als die Eigenliebe.
1. Mein Sohn! Für das Ganze musst du dich auch ganz geben und in keinem Stücke mehr dir selbst zugehören.
Sei versichert, deine Eigenliebe schadet dir mehr als alles
andere in der Welt. Jede Sache wird dir mehr oder weniger ankleben, je nachdem die Liebe und die Neigung, welche du dazu trägst, beschaffen ist.
Ist deine Liebe rein, aufrichtig und wohl geordnet, so wirst du dich von irdischen Dingen nicht zuviel einnehmen lassen. Strebe nicht nach Sachen, welche du nicht besitzen darfst, besitze auch nichts, was dich hindern oder dir die innere Freiheit des Geistes rauben könnte.
Es ist zu bewundern (=Es ist verwunderlich; Anm.), dass du dich nicht von ganzem Herzen Mir übergibst samt allem, was du verlangen oder haben kannst.
2. Warum lässt du dich von einer leeren Traurigkeit ganz verzehren? Warum ermüdest du dich mit überflüssigen Sorgen?
Richte dich nach Meinem Wohlgefallen, und du wirst keinen Schaden leiden. Wenn du nach dieser oder jener Sache strebst und an diesem oder jenem Orte sein willst, damit du alles füglicher nach deiner
Bequemlichkeit und nach deinem Belieben hast, so wirst du nie in Ruhe, nie von ängstlicher Sorge frei sein, weil keine Sache ohne Mangel ist, und weil an jedem Orte etwas dir zuwider sein wird.
3. Deswegen helfen dir äußerliche Dinge, die du erlangt oder vermehrt hast, nichts, sondern vielmehr, wenn du sie verachtest und ganz aus deinem Herzen verbannst.
Und dieses ist nicht nur von Geld und Reichtümern zu verstehen, sondern auch von dem Streben nach Ehre und von der Begierde nach eitlem Lobe; alles dieses vergeht mit der Welt. Wenig Schutz gewährt ein Ort, wenn der Geist der Inbrunst abgeht und der Friede, welchen man von außen sucht, wird kurzen Bestand haben, wenn es dem
Herzen an einem wahren Grunde fehlt, das ist, wenn du dich nicht an Mir festhältst; du kannst wohl den Aufenthalt ändern, aber deswegen bist du doch nicht besser. Denn wenn sich eine Gelegenheit ereignet, oder wenn du sie selbst veranlassest, so wirst du wieder alles das, was du geflohen hast, und noch mehr dazu finden.
GEBET UM DIE REINHEIT DES HERZENS UND
UM DIE HIMMLISCHE WEISHEIT
Befestige mich, o Gott, durch die Gnade des Heiligen Geistes.
Gib mir Kraft, dass ich am inneren Menschen gestärkt werde; dass ich mein Herz von aller unnützen Sorge und Ängstlichkeit befreie und dass ich mich auch nicht von allerlei Begierden nach irgendeinem geringen oder kostbaren Dinge dahinreißen lasse, sondern alles als vergänglich ansehe und mir zu Gemüte führe, dass auch ich zugleich mit diesen Dingen vergehen werde, weil unter der Sonne nichts beständig bleibt, wo alles lauter Eitelkeit und Bedrängnis des Geistes ist. O wie weise ist der, welcher alles so ansieht.
Gib mir, o Herr, himmlische Weisheit, auf dass ich lerne, vor allem Dich suchen und finden, vor allem an Dir mein Vergnügen haben, Dich lieben und alles andere nach der Anordnung Deiner Weisheit, wie es in der Tat ist, betrachten.
Gib mir Weisheit und Stärke, dass ich mich von Schmeichlern nicht betören lasse und meine Widersacher geduldig ertrage.
Denn das ist große Weisheit, dass man sich nicht von jedem Winde der Worte hin- und hertreiben lässt, noch den Lockungen der
verführerischen Schmeichelei Gehör gibt, denn so wandert man sicher auf dem betretenen Wege fort.
(Psalm 57)
Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig;
denn ich flüchte mich zu dir.
Im Schatten deiner Flügel finde ich Zuflucht,
bis das Unheil vorübergeht.
Ich rufe zu Gott, dem Höchsten, zu Gott, der mir beisteht.
Er sende mir Hilfe vom Himmel; meine Feinde schmähen mich.
Gott sende seine Huld und Treue.
Ich muss mich mitten unter Löwen lagern,
die gierig auf Menschen sind.
Ihre Zähne sind Spieße und Pfeile, ein scharfes Schwert ihre Zunge.
Sie haben meinen Schritten ein Netz gelegt und meine Seele gebeugt.
Sie haben mir eine Grube gegraben; doch fielen sie selbst hinein.
Erheb dich über die Himmel, o Gott!
Deine Herrlichkeit erscheine über der ganzen Erde.
Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit,
ich will dir singen und spielen.
Wach auf, meine Seele!
Wacht auf, Harfe und Saitenspiel!
Ich will das Morgenrot wecken.
Ich will dich vor den Völkern preisen, Herr, dir vor den Nationen lobsingen.
Denn deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue, so weit die Wolken ziehn. Erheb dich über die Himmel, o Gott;
deine Herrlichkeit erscheine über der ganzen Erde.
Katechismus
(Art. 2087)
Unser sittliches Leben wurzelt im Glauben an Gott, der uns seine Liebe offenbart. Der heilige Paulus spricht vom „Gehorsam des Glaubens“ als der ersten Pflicht.
Im „Verkennen“ Gottes sieht er den Grund und die Erklärung für
alle sittlichen Verfehlungen. Wir haben Gott gegenüber die Pflicht, an ihn zu glauben und ihn zu bezeugen.
Gebet
(Hl. Ludwig Maria Grignion v. Montfort, Das Geheimnis Mariens)
An Maria
(Art. 68)
Ich grüße dich, o Maria,
du geliebteste Tochter des ewigen Vaters,
du wunderbare Mutter des göttlichen Sohnes,
du getreueste Braut des Heiligen Geistes.
Ich grüße dich, o Maria, meine geliebte Mutter,
meine wunderbare Lehrerin, meine mächtige Herrscherin,
meine Freude, meine Herrlichkeit,
mein Herz und meine Seele!
Du bist ganz mein aus Barmherzigkeit,
und ich bin ganz dein aus Gerechtigkeit;
aber ich bin es noch nicht genug.
Darum übergebe ich mich dir gänzlich aufs Neue als dein ewiger Diener, ohne für mich oder andere irgendetwas zurückzubehalten.
Wenn du an mir etwas bemerkst, was noch nicht dir gehört,
dann nimm es sofort, ich flehe dich an,
und mache dich zur absoluten Herrin aller meiner Güter,
um in mir alles zu zerstören, auszureißen und zu vernichten,
was Gott missfällt, und um einzusetzen, zu erbauen und hervorzu-bringen, was Ihm gefällt.
Das Licht deines Glaubens vertreibe die Finsternis meines Geistes.
Deine tiefe Demut nehme den Platz meines Stolzes ein.
Dein Geist erhabener Betrachtung entferne die Zerstreuungen meiner umherschweifenden Phantasie.
Deine unausgesetzte Vision Gottes erfülle mit seiner Gegenwart mein Gedächtnis.
Das Feuer deiner Liebe verbrenne die Lauheit und Kälte meines Herzens.
Meine Sünden mögen ihren Platz deinen Tugenden überlassen.
Deine Tugenden seien mein Schmuck und mögen ergänzen,
was mir vor Gott noch mangelt.
Und schließlich, meine teuerste und geliebteste Mutter,
bewirke, wenn es möglich ist, dass ich deinen Geist habe,
um Jesus Christus zu erkennen
und seinen göttlichen Willen zu verstehen,
dass ich deine Seele habe,
um Gott zu loben und zu preisen,
und dein Herz, um Gott
mit einer reinen und brennenden Liebe zu lieben wie du.