Erste Woche TAG 1
Die Gewissenserforschung ist ein Gebet zum Vater um Selbsterkenntnis im Licht des Wortes Gottes

Die für diesen Zweck geeignetsten Texte finden sich in der moralischen Katechese der Evangelien und der Apostelbriefe: in der Bergpredigt und in den apostolischen Unterweisungen (Röm 12-15; 1 Kor 12-13; Eph 4-5).
Lesung
(Mt 15,10-20)
Und er rief die Leute zu sich und sagte: Hört und begreift:
Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.
Da kamen die Jünger zu ihm und sagten:
Weißt du, dass die Pharisäer über deine Worte empört sind?
Er antwortete ihnen: Jede Pflanze, die nicht mein himmlischer Vater
gepflanzt hat, wird ausgerissen werden.
Lasst sie, es sind blinde Blindenführer.
Und wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in eine Grube fallen.
Da sagte Petrus zu ihm: Erkläre uns jenes rätselhafte Wort!
Er antwortete: Seid auch ihr noch immer ohne Einsicht?
Begreift ihr nicht, dass alles, was durch den Mund (in den Menschen) hineinkommt, in den Magen gelangt und dann wieder ausgeschieden wird?
Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein.
Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Verleumdungen.
Das ist es, was den Menschen unrein macht; aber mit ungewaschenen Händen essen macht ihn nicht unrein.
(Mt 7,1-6)
Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden.
Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?
Wie kannst du zu deinem Bruder sagen:
Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! - und dabei steckt in deinem Auge ein Balken?
Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders heraus- zuziehen.
Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.
Botschaft
(S. Martino, 16.1.1986)
Lobpreisen wir den Herrn, meine Kinder.
Das, was ihr sucht, habt ihr gefunden.
Sage deinen Aposteln, dass sie keinerlei Angst haben sollen,
die Eucharistie, Jesus, ist ihre Kraft.
Sie finden Ihn nicht nur hier, sondern in allen Kirchen.
Jesus erwartet sie auch dort, um euren Brüdern Zeugnis zu geben.
Tut Folgendes:
Sagt allen, dass die Sünden gebeichtet werden müssen.
Zu viele suchen Jesus mit verwirrtem Herzen.
Sagt auch den Priestern, dass sie ihre Sendung erfüllen müssen.
Sie sind es, die die Lossprechung geben können.
Sagt, dass Maria euch schickt. Ich segne euch.
Betrachtung
(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Brief an die Freunde des Kreuzes)
(Art. 5)
Ich frage euch: Entspricht eure Art zu handeln wirklich dem
großen Namen, den ihr tragt?
Oder habt ihr wenigstens den aufrichtigen Wunsch und den entschlossenen Willen, dass dies so sei, - mit der Gnade Gottes, im Schatten des Kreuzes und an der Seite Marias, der schmerzhaften Mutter? Habt ihr tatsächlich alles Notwendige unternommen,
um dieses Ziel zu erreichen?
Habt ihr euch auf den Weg gemacht zum wahren Leben
(Spr 10,17; Jer 21,8), welcher der enge und dornenvolle Weg auf Kalvaria ist? Oder aber befindet ihr euch vielleicht, ohne es zu bemerken, auf der breiten Straße der Welt, die zum Verderben führt? Seid ihr wirklich sicher, denn „mancheinem scheint sein Weg der rechte (und sichere), aber am Ende sind es Wege des Todes“ (Spr 14,12)?
(Art. 6)
Sagt mir, seid ihr im Stande, die Stimme Gottes und der Gnade von der Stimme der Welt und der Natur zu unterscheiden?
Ich bitte euch, schenkt alle eure Aufmerksamkeit der Stimme unseres guten Vaters, der die in aller Strenge verflucht, die der Lüsternheit der Welt folgen: „Wehe! Wehe! Wehe den Bewohnern der Erde!“ (Offb 8,13), aber zu euch liebevoll die Arme ausbreitet und sagt: „Verlass die Stadt, mein Volk!“ (Offb 18,4).
Trennt euch von den Menschen der Welt, die von meiner Majestät verdammt, von meinem Sohn verbannt (Joh 17,9) und vom Heiligen Geist verurteilt sind (Joh 16,8-11). Habt acht, dass ihr nicht im
Kreise der verdorbenen Gesellschaft der Weltmenschen sitzt, dass ihr nicht auf ihre Ratschläge hört und euch auch nicht auf ihrer Straße aufhaltet (Ps 1,1). Flieht das große und verruchte Babylon. Folgt nur der Stimme und dem Beispiel meines über alles geliebten Sohnes, den ich euch als Weg, als Wahrheit und als Leben zum Vorbild gegeben habe ( Joh 14,6). Hört auf ihn (Mt 17,5; Lk 9,35).
Und sagt mir noch, hört ihr ihn oder hört ihr ihn nicht, diesen aller Liebe würdigen Retter, der das Kreuz trägt und euch zuruft: „Folgt mir nach (Mt 4,19)! Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln (Joh 8,12). Habt Mut, ich habe die Welt besiegt (Joh 16,33).“
Kontemplation
(Nachfolge Christi, II/5, und II/6)
Von der Freude des guten Gewissens
1. Wir dürfen uns selbst nicht zu viel zutrauen, weil uns oft die Gnade und die Einsicht abgeht.
Wir haben ein schwaches Licht in uns, und aus Nachlässigkeit verlieren wir auch dieses bald ganz. Oft werden wir gar nicht einmal gewahr, wie blind wir in unserem Innern sind.
Wir tun oft Böses und handeln noch böser, da wir es entschuldigen. Bisweilen reißt uns eine böse Neigung dahin, und wir halten es für
Eifer. Wir tadeln auch an anderen geringe Fehler und unsere eigenen weit größeren übersehen wir. Was wir von anderen leiden, empfinden wir gar bald und halten es für schwer, bemerken aber nicht, was andere von uns leiden. Wer das Seinige ernstlich und gehörig zu Gemüte führte, der hätte wahrlich keine Ursache, streng von anderen
zu urteilen.
2. Ein Mensch, der nach dem Geiste lebt, zieht die Sorge für sich allen anderen Sorgen vor, und wer auf sich selbst aufmerksam ist, wird gern von anderen schweigen.
Du wirst nie ein gesammelter und andächtiger Mensch werden, wenn du von anderen nicht schweigst und deine Hauptsorge nicht auf dich selbst richtest. Wenn du dich gänzlich mit dir und mit Gott beschäftigst, dann wird das, was du von außen hörst, einen geringen Eindruck auf dich machen.
Wo bist du, wenn du dir selbst nicht gegenwärtig bist?
Und wenn du die ganze Welt durchläufst, dich selbst aber vernachlässigst, was wird es dir nützen?
Wenn du wahren Frieden genießen und eins mit dir selbst sein willst, so musst du alles übrige gering achten und deine Augen auf dich allein richten.
3. Du wirst daher einen guten Fortgang machen, wenn du dich aller zeitlichen Sorgen entschlägst, dagegen aber sehr zurückkommen, wenn du etwas Zeitliches hochschätzen wirst.
Halte nichts für groß oder hoch, nichts für angenehm und wert, als nur Gott oder was von Gott ist. Allen Trost, der dir von einem Geschöpfe zukommt, halte für Eitelkeit. Eine Seele, die Gott liebt, verachtet alles, was geringer als Gott ist. Gott allein, der Ewige und Unermessliche, welcher alles erfüllt, ist der wahre Trost der Seele und die wahre Freude des Herzens.
4. Der Ruhm eines guten Menschen ist das Zeugnis eines guten Gewissens.
Bestrebe dich, ein gutes Gewissen zu haben, und du wirst immer freudig sein.
Ein gutes Gewissen kann sehr vieles übertragen und es genießt sogar in den Widerwärtigkeiten die größte Freude.
Ein böses Gewissen ist immer furchtsam und unruhig.
Du wirst sanft ruhen, wenn dir dein Herz nichts vorzuwerfen hat. Freue dich nur dann, wenn du Gutes getan hast. Die Bösen haben nie wahre Freude, sie verkosten auch den inneren Frieden nicht; denn die Gottlosen haben keinen Frieden, spricht der Herr. Und wenn sie auch sagen sollten: wir leben im Frieden, es wird nichts Übles über uns
kommen, oder: wer wird sich getrauen, uns zu schaden? – so glaube ihnen nicht, denn der Zorn Gottes wird schnell entbrennen, ihre Werke werden vernichtet und ihre Anschläge vereitelt werden.
5. Wer die wahre Liebe hat, dem fällt es nicht schwer, sich selbst seiner Trübsal zu rühmen, denn sich so rühmen heißt, sich in dem Kreuze unseres Herrn rühmen.
Der Ruhm, den die Menschen einander geben und voneinander erhalten, ist von kurzer Dauer. Den Ruhm der Welt begleitet immer Traurigkeit. Der Ruhm der Guten besteht in ihrem guten Gewissen, nicht aber im Munde der Menschen. Die Gerechten freuen sich wegen Gott und in Gott; sie freuen sich wegen der Wahrheit. Wer nach
dem wahren und ewigen Ruhm Verlangen trägt, ist wegen des zeitlichen unbekümmert, und wer nach dem zeitlichen Ruhm strebt oder ihn nicht von Herzen verachtet, der gibt dadurch deutlich zu erkennen, dass er noch wenig den himmlischen liebe. Wer weder Lob noch Tadel der Menschen achtet, der wird sanfte Ruhe in seinem Herzen genießen.
6. Wer ein reines Gewissen hat, wird leicht zufrieden und ruhig sein.
Du bist nicht heiliger, wenn du gelobt, noch auch schlechter, wenn du getadelt wirst. Was du bist, das bist du; du kannst auch durch Lobeserhebungen nicht größer werden, als du in den Augen Gottes bist. Wenn du auf dein Inneres Achtung gibst, so wirst du dich nicht um das bekümmern, was die Leute von dir reden. „Der Mensch sieht das Äußere, aber Gott schauet das Herz an.“ Der Mensch betrachtet die Handlungen anderer, Gott aber erwägt ihre Absichten. Immer Gutes tun und sich selbst gering achten, das ist ein Zeichen einer demütigen Seele. Nicht von irgendeinem Geschöpfe getröstet sein wollen, ist das Zeichen großer Reinheit und innerer Zuversicht.
4. Wer von außen keine Empfehlung für sich sucht, der gibt zu erkennen, dass er sich gänzlich Gott überlassen habe.
Denn nach dem Ausspruche des hl. Paulus „ist nicht jener bewährt, der sich selbst lobt, sondern der, dem Gott das Lob gibt.“ Innerlich mit
Gott wandeln und äußerlich von keiner Neigung eingenommen sein, das ist der Zustand eines innerlichen Menschen.
(Psalm 130)
Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir:
Herr, höre meine Stimme!
Wende dein Ohr mir zu, achte auf mein lautes Flehen!
Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten,
Herr, wer könnte bestehen?
Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient.
Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.
Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen. Mehr als die Wächter auf den Morgen soll Israel harren auf den Herrn.
Denn beim Herrn ist die Huld, bei ihm ist Erlösung in Fülle.
Ja, er wird Israel erlösen von all seinen Sünden.
Katechismus
(Art. 1440)
Die Sünde ist vor allem Beleidigung Gottes und Bruch der Gemeinschaft mit ihm. Gleichzeitig beeinträchtigt sie die Gemeinschaft mit der Kirche.
Darum führt die Bekehrung zugleich die Vergebung Gottes und die Versöhnung mit der Kirche herbei. Das Sakrament der Buße und der Versöhnung bringt das liturgisch zum Ausdruck und bewirkt es
(vgl. LG 11).
(Art. 1441)
Gott allein kann Sünden vergeben (Mk 2,7).
Weil Jesus der Sohn Gottes ist, sagt er von sich, „dass der Menschen-
sohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben“ (Mk 2,10).
Er übt diese göttliche Vollmacht aus:
„Deine Sünden sind dir vergeben!“ (Mk 2,5; Lk 7,48).
Mehr noch: kraft seiner göttlichen Autorität gibt er Menschen diese Vollmacht (Joh 20,21-23), damit sie diese in seinem Namen ausüben.
Gebet
(Hl. Augustinus, Bekenntnisse IX,1,1; II,7,15)
Wer bin ich, und wie bin ich doch?
Was habe ich nicht Böses getan, und wenn nicht getan, so doch gesagt,
und wenn nicht gesagt, so doch gewollt?
Du aber, Herr, bist gut und barmherzig, du sahest die Tiefe meines Todes und hast mit deiner Rechten bis zum Grund meines Herzens
den Abgrund des Verderbens ausgeschöpft.
Und das war's, was du gewirkt:
ganz und gar nicht mehr wollen, was ich wollte, und wollen, was du wolltest. Ich will dich lieben, Herr, dir Dank sagen und deinen Namen preisen, dass du mir so große Sünden und Übeltaten vergabst.
Deiner Gnade allein und Barmherzigkeit verdanke ich es,
dass meine Sünden wie Eis zerschmolzen sind.
Deiner Gnade danke ich auch das Böse, das ich nicht getan.
Denn was hätte ich nicht tun können, ich, der sogar an zwecklosem Frevel Gefallen fand?
Aber alles, ich bekenne es, ist mir verziehen, das Böse, das ich aus eigenem Antrieb tat, und das Böse, das ich, von dir behütet, unterließ.
Wer unter allen Menschen, seiner Schwachheit eingedenk,
dürfte es wagen, Keuschheit und Unschuld seinen eigenen Kräften gutzuschreiben?
Würde er dich dann nicht weniger lieben, sich einbildend, dein Erbarmen, das den Bußfertigen die Sünden vergibt, habe ihm weniger notgetan? ... Er möge dich ebenso sehr, vielmehr noch lieben,
da er einsehen muss, dass derselbe, der mich vom schweren Siechtum meiner Sünden befreite, ihn selbst davor bewahrte, gleichem Siechtum zu verfallen.